Nisthilfen

Wildbienenhotels

Sogenannte Wildbienenhotels sind weitläufig bekannt als die Massnahme zur Wildbienenförderung schlechthin. Allerdings ist der Nutzen dieser Nisthilfen sehr beschränkt. Es profitieren nur wenige Arten, die zumeist häufig und ungefährdet sind. Trotzdem können Wildbienenhotels einen Teil zur Wildbienenförderung und Umweltbildung beitragen. Wichtig ist, dass sie gut gemacht sind und in Kombination mit anderen Fördermassnahmen umgesetzt werden.

Schlüpfende Mauerbiene in einer Nisthilfe (Bild: Christine Dobler Gross)

1. Nisthilfen für Hohlraumnister

Wildbienenhotels bieten Nistplätze für hohlraumnistende Wildbienenarten. Diese nisten natürlicherweise vor allem im Totholz, wo sie als Nachmieter in vorhandene Käferfrassgänge einziehen. Auch abgestorbene, hohle Pflanzenstängel und andere längliche Hohlräume werden gelegentlich genutzt.

Diese natürlichen Niststrukturen sind in unserer Landschaft seltener geworden und manche Hohlraumnister sind froh um künstliche Alternativen. Immer mehr Menschen stellen ihnen diese in Form von Wildbienenhotels zur Verfügung stellen. Im Grunde spielt es keine Rolle, ob es sich bei den angebotenen Hohlräumen um Schilfhalme, Bambusröhrchen, Bohrungen im Totholz oder Löcher in Ziegeln handelt. Alle übernehmen dieselbe Funktion: Sie bieten einen hohlen Gang, den die Wildbienenweibchen mit ihren Brutzellen füllen können.

Abgestorbener Baumstamm, der von Käferfrassgängen durchlöchert ist (links) und ein Weibchen der Kleinen Blattschneiderbiene (Megachile alpicola), das in solchen Käferfrassgängen im Totholz nistet (rechts) – Bilder: Albert Krebs

2. Begrenzter Nutzen

Nur wenige Arten profitieren

Theoretisch könnten rund 10 Prozent der Wildbienenarten in der Schweiz künstliche Hohlraum-Nisthilfen nutzen. Manche dieser potenziell in Frage kommenden Arten sind aber sehr selten, leben nur in gewissen Regionen und Höhenlagen. Einige Wildbienenarten scheinen bei der Auswahl des Nistplatzes auch deutlich wählerischer zu sein als andere.

Nur ein kleiner Teil der einheimischen Wildbienen zählt zu den typischen Bewohnern von Wildbienenhotels – nämlich 20 bis 25 Arten. In den meisten Fällen sind aber auch an einem gut gemachten Wildbienenhotel nur 5 bis 10 Arten zu beobachten. Wenn man bedenkt, dass in der Schweiz aktuell rund 570 Wildbienenarten leben, ist damit nur einem sehr kleinen Artenspektrum geholfen.

Hinzu kommt, dass die meisten typischen Hotelbewohner häufig und ungefährdet sind. Allgemein ist der Anteil gefährdeter Arten bei den in oberirdischen Hohlräumen nistenden Wildbienenarten deutlich kleiner als beispielsweise bei den bodennistenden Arten.

Wildbienenhotels für die Umweltbildung

Ein Vorteil der Wildbienenhotels liegt in den guten Beobachtungsmöglichkeiten, welche zur weiteren Beschäftigung mit Wildbienen anregen oder für pädagogische Zwecke genutzt werden können.

Wildbienenhotels an Standorten mit Öffentlichkeitswirkung sollten immer in Kombination mit anderen Aufwertungsmassnahmen wie Blühflächen umgesetzt werden. Bei der Umweltbildung und Wissensvermittlung (Infotafeln, Besichtigungen mit Schulklassen usw.) sollte entsprechend auf die weiteren Bedürfnisse der Wildbienen hinzuweisen werden. Besonders wichtig ist die Nahrungsgrundlage in Form eines vielfältigen Blütenangebots. Diese sollte in gut erreichbaren Distanzen von maximal 100 bis 300 Metern liegen. Zudem darf ein Hinweis auf die deutlich grössere Gruppe der im Erdboden nistenden Wildbienen nicht fehlen:  ganze 70 Prozent der heimischen Wildbienenarten sind auf lückig bewachsene Bodenstellen angewiesen.

Exkursion zum Thema Wildbienen – an diesem Standort wurde neben dem Bienenhotel auch eine blütenreiche Fläche geschaffen (Bild: Fiona Hodel)

3. Blütenangebot und andere Niststrukuren

Die wichtigste Massnahme für die Wildbienenförderung ist die Verbesserung des Blütenangebots. Nisthilfen als alleinige Massnahme nützen wenig, wenn die Wildbienen in der Umgebung keine ausreichende Nahrungsgrundlage zur Versorgung ihrer Nachkommen mit Pollen und Nektar finden. In den unterschiedlichen Infopool-Kategorien finden Sie allerlei Tipps zur Verbesserung des Blütenangebots.

Schaffen und erhalten Sie neben den Nisthilfen für hohlraumnistende Wildbienen auch weitere Niststrukturen für Wildbienen – inbesondere lückig bewachsene Bodenstellen für bodennistende Arten.

Blüten- und strukturreiche Ruderalfläche für Wildbienen (Bild: Jonas Landolt)

4. Tipps für gut gemachte Nisthilfen

Ausführliche Informationen rund um Nisthilfen für Hohlraumbewohner mit Tipps für die Praxis und einer Auflistung typischer Bewohner gibt es auf wildbienen.info. Im Folgenden sind die wichtigsten Aspekte zusammengefasst, wie auch in unserem Artikel zu Niststrukturen für Wildbienen.

Materialauswahl

Im Grunde spielt es keine Rolle, ob Sie in Ihrer Nisthilfe Schilfhalme, Bambusröhrchen, Totholzbohrungen, Löcher in Ziegel oder alles zusammen anbieten, da alle die gleiche Funktion übernehmen. Auf wildbienen.info erfahren Sie, was es bei den verschiedenen Materialien zu beachten gilt.

Andere Ausstattungen wie Stroh, Tannzapfen oder Schneckengehäuse in Wildbienenhotels bringen den Wildbienen nichts. In grösseren Wildbienenhotels können zusätzlich morsche Holzrugel und dicke Äste (ab 10 cm) platziert werden. Diese müssen nicht angebohrt werden und werden von Arten wie der Schwarzblauen Holzbiene genutzt, welche ihre Nistgänge selbständig ins morsche Holz nagen.

Totholzbohrungen und Lochgrössen

Weil die meisten Arten natürlicherweise in Käferfrassgängen im Totholz nisten, empfehlen wir als einfachste und naturnäheste Variante mit Bohrgängen im Holz zu arbeiten. Nutzen Sie gut abgelagertes, entrindetes Hartholz von Esche, Buche, Hainbuch oder Eiche. Bohren Sie immer quer zu den Holzfasern und so tief wie möglich – allerdings nur so tief, dass der Bohrgang hinten verschlossen bleibt.

Auch kleine, unauffälligere Wildbienenarten wie die Gewöhnliche Löcherbiene oder die Gewöhnliche Maskenbiene nutzen Hohlraum-Nisthilfen, benötigen aber Löcher mit einem kleineren Durchmesser. Bohren Sie deshalb verschieden grosse Löcher mit Durchmessern von 2-10 mm und mindestens 2 cm Abstand zwischen jeder Bohrung.

Einfaches Nisthilfen-Modell mit verschiedenen Lochgrössen (Bild: Philipp Heller)
Standort

Platzieren Sie die Nisthilfe etwas erhöht (nicht direkt auf dem nassen Boden) und richten Sie diese nach Süden bis Osten aus. Wählen Sie einen Standort, der während mehreren Stunden am Tag voll besonnt ist. Mehrere kleine Nisthilfen sind sinnvoller als ein möglichst grosses Hotel: So haben die Bienen Auswahlmöglichkeiten und für Parasiten sind die Nester schwieriger zu finden. Ein regengeschützter Standort an einer Hauswand oder ein kleines Dach über der Nisthilfe ist von Vorteil, aber nicht zwingend nötig – auch in der Natur stehen die Niststrukturen regelmässig im Regen.

Pflege

Manche Bewohner wie Scherenbienen, Löcherbienen oder die Gewöhnliche Natternkopfbiene reinigen alte Nester und nutzen sie erneut. Aber gerade die frühfliegenden Gehörnten Mauerbienen und Rostroten Mauerbienen, die zu den häufigsten Nisthilfen-Bewohnern gehören, nutzen die Löcher in der Regel nur einmal.

Geschlüpfte Nester mit einem Loch im gemörtelten Nestverschluss können deshalb erneut ausgebohrt oder mit einem Pfeifenreiniger geputzt werden. Es lohnt sich, eine Nisthilfe aus mehreren kleinen Einheiten zu bauen, um einzelne davon bei Bedarf auszutauschen oder zu reinigen. Beachten Sie auch den Tipp dazu auf wildbienen.info.

Bild: pixabay


Niststrukturen in der Landwirtschaft

Wildbienen benötigen einen zentralen Ort zum Wohnen, von wo aus sie sich auf die Suche nach Pollen und Nektar begeben. Ihre Nester bauen sie in unterschiedlichen Kleinstrukturen, die immer an einem gut besonnten Standort und in der Nähe eines grossen Blütenangebots liegen sollten.

1. Nistplätze an der Sonne und nah bei den Blüten

Bei allen Niststrukturen für Wildbienen gilt, dass sie nur genutzt werden, wenn sie mehrere Stunden pro Tag voll besonnt sind. Niststrukturen an einem schattigen Waldrand oder im Schatten einer Hecke nützen wenig.

Die Distanz zwischen Nistplatz und Nahrungsquelle sollte maximal 100-300 Meter betragen – je kürzer desto besser. Der Grund dafür ist simpel: Viele Wildbienenarten sind nur zwischen 5 und 10 mm gross und nicht sehr flugstark. Wenn sie auf ihren unzähligen Sammelflügen grosse Distanzen überwinden müssen, geht Zeit und Energie verloren. Zudem gelangen Parasiten besser an das Nest, wenn das Weibchen ihr Nest lange am Stück unbeobachtet lässt. All das wirkt sich negativ auf den Fortpflanzungserfolg und die Bestäubungsleistung aus.

Ergänzen Sie blütenreiche Lebensräume (Magerwiesen, Buntbrachen, Streuobstwiesen usw.) gezielt mit geeigneten Niststrukturen für Wildbienen. Dasselbe gilt für Kulturen, die auf Bestäubung angewiesen sind: In möglichst geringer Distanz sollten sich Lebensräume befinden, die den Wildbienen sowohl Nistplätze als auch ergänzende Nahrung (Blütenangebot vor und nach der Blüte der landwirtschaftlichen Kulturen) bieten. Gute Möglichkeiten zur Anlage von Kleinstrukturen bieten sich auf Restflächen wie Wegdreiecken, im Randbereich von Kehrplätzen oder unter Strommasten (siehe swissgrid-Merkblatt „Kleinstrukturen an und unter Freileitungsmasten“).

Kleinräumig strukturierte Landschaft – die kurzen Distanzen zwischen unterschiedlichen struktur- und blütenreichen Lebensräumen sind günstig für Wildbienen (Bild: Albert Krebs)

2. Lückig bewachsene Bodenstellen

Die meisten Wildbienenarten legen ihre Nester in selbstgegrabenen Gängen im Erdboden an. Sie benötigen dafür lückig bewachsene Stellen, wo sie sich in den offenen Boden graben können. Lückig bewachsene Bodenstellen an gut besonnter Lage sind besonders wichtige Niststrukturen. Ganze 70 Prozent der heimischen Wildbienenarten sind auf solche Nistplätze angewiesen. Für eine artenreiche Wildbienengemeinschaft im Landwirtschaftsgebiet sind Bodennistplätze zentral.

Gelegentliche Störungen (Befahren mit dem Traktor usw.) schaden den nistenden Wildbienen kaum und wirken sich sogar positiv aus, da dadurch die Vegetation gestört und der Boden offengehalten wird. Nur schattige Standorte und feuchte bis nasse Böden werden von den Bienen gemieden.

Empfehlungen:

 

Beispiele für Bodennistplätzen im Landwirtschaftsgebiet:

3. Totholz

Manche Wildbienen wie die auffällige Blauschwarze Holzbiene nagen Gänge in morsches Holz. Als Niststruktur für Wildbienen ist nur Starkholz (Baumstämme, Baumstrünke, starke Äste) geeignet. Asthaufen mit dünnen Ästen nützen den Wildbienen wenig, da die Bienen darin keine längeren Nistgänge anlegen können. Totholz von Laubbäumen ist deutlich beliebter als Nadelholz.

Empfehlungen:

  • abgestorbene Bäume erhalten und beim Fällen von Bäumen einen möglichst hohen Baumstumpf stehenlassen
  • liegende Baumstämme zum Beispiel auf Weideflächen belassen
  • Holzbeigen mit Stammholz und starken Ästen anlegen (Hinweise für die Praxis in der Anleitung für Totholzhaufen)
  • Totholzstrukturen nach Bedarf freistellen, damit sie gut besonnt bleiben
  • Totholzstrukturen an sonnigen Gehölzrändern fördern, siehe Niststrukturen im Wald

4. Nisthilfen für hohlraumnistende Wildbienen

Klassische Wildbienenhäuschen mit Holzbohrungen oder hohlen Schilf-/Bambusröhrchen werden von hohlraumnistenden Wildbienenarten besiedelt. Diese Hohlraumnister legen ihr Nest in bereits vorhandenen hohlen Gängen an. Natürlicherweise wohnen sie vor allem in Frassgängen im Totholz, welche Käfer und andere Insekten hinterlassen haben. Dementsprechend sind Totholzstrukturen mit zusätzlichen Holzbohrungen die natürlichste und einfachste Variante zur Förderung dieser Arten.

Empfehlungen:

  • Bestehende Totholzstrukturen wie abgestorbene Obstbäume mit Bohrungen aufwerten
  • Mit entrindetem Laubholz neue Totholzstrukturen anlegen und diese anbohren
  • Bohrungen mit möglichst vielen verschiedenen Durchmessern (2-10 mm) und mindestens 2 cm Abstand zwischen jeder Bohrung
  • Bohrungen immer quer zu den Holzfasern und so tief wie möglich (je nach Holzbohrer 5-10 mm) – allerdings muss das Bohrloch am Ende  verschlossen bleiben
  • Einzelne Nisthilfen aus gut gelagerten, entrindeten Hartholzblöcken (Esche, Buche, Hainbuche, Eiche) oder Holzrugeln bauen, mehrere kleine Nisthilfen auf dem Betrieb verteilen statt einer grossen Nisthilfe – gibt den Bienen Auswahlmöglichkeiten und macht es für Parasiten schwieriger die Nester zu finden
  • Nisthilfen und Bohrungen an bestehenden Totholzstrukturen nach Süden bis Osten ausrichten
  • Gelegentlich neue Bohrungen machen und stark belegte Nisthilfen durch neue ersetzen, da manche Wildbienenarten die Nistplätze nur einmal nutzen

5. Abgestorbene Pflanzenstängel

Brombeergestrüpp

Einige Arten unter den Wildbienen legen ihre Nester im Mark dürrer Pflanzenstängel an. Dicke, abgestorbene Ranken von Brombeergebüschen an sonniger Lage sind die wichtigsten Nistgelegenheiten für diese Wildbienenarten. Nur hochwachsendes Brombeergestrüpp mit mindestens 0.5 – 1 cm dicken Ranken wird genutzt. Da Brombeeren im Frühsommer zur allgemein blütenarmen Zeit blühen, kommt ihnen eine doppelt wichtige Rolle für die Wildbienen zu.

Empfehlung: Lassen Sie an der einen oder anderen gut besonnten Stelle das Aufkommen eines Brombeergestrüpps zu. Zusätzlich können Sie die Enden abgestorbener Ranken kappen oder nach dem Schnitt bündeln und so für Wildbienen zugänglich machen (siehe Merkblatt Markstängelnister). Schnittgut von Brombberen und anderen markhaltigen oder hohlen Pflanzen (z.B. Holunder) wird auch besiedelt, wenn man mit den Stängeln und Ästen an sonniger Lage einen Asthaufen erstellt.

Mehrjährige Stängelstrukturen

Markstängelnistende Arten besiedeln neben dürren Brombeerzweigen auch abgestorbene Pflanzenstängel von Königskerzen oder Disteln. Diese müssen aber mehrjährig stehenbleiben, da die Wildbienen frühestens im Jahr nach dem Absterben einziehen und die Wildbienenbrut erst im übernächsten Jahr schlüpft.

Empfehlung: Lassen Sie abgestorbene Stängel von Königskerzen oder Disteln (ausser Ackerkratzdisteln) an ungenutzten Randbereichen oder auf Brachflächen mehrjährig stehen. Zusätzlich können Sie Königskerzen kappen oder nach dem Schnitt bündeln und so für Wildbienen zugänglich machen (siehe Merkblatt Markstängelnister).

6. Steinstrukturen

Spaltennistende Wildbienen bauen ihre Nester in Trockenmauerspalten oder zwischen aufeinanderliegenden Steinen. Nur schmale Ritzen eignen sich als Wohnraum. Haufen aus grossen, runden Bollensteinen nützen den Wildbienen kaum, da sich dort zu grosse Zwischenräume bilden.

Einige weitere Arten wie die seltene Schwarze Mörtelbiene mörteln ihre Nester an die Oberfläche grosser Felsen und Steine.

Empfehlung: Förderung von Steinhaufen/-linsen, Natursteinmauern, kiesig-steinigen Ruderalflächen, Findlingen usw. – diese Strukturen regelmässig freistellen, damit sie gut besonnt bleiben.

7. Hummelbrachen

Hummeln nisten entweder in grösseren Hohlräumen unter der Erde (meist in alten Mäusenestern) oder sie bauen ihr Nest gut versteckt in zugewachsenen Bereichen mit viel Altgras, Moos und anderem Pflanzenstreu. Eine etwas ungepflegtere Ecke mit altem Grasfilz bietet Hummeln einen Platz zum Wohnen.

Empfehlung: Lassen Sie kleine Teilflächen (wenige Quadratmeter) mehrere Jahre als „Hummelbrache“ ungemäht stehen. Geeignete Standorte sind zum Beispiel der Krautsaum einer Hecke, ein Wegrandstreifen oder sonstige Restflächen. Die Standorte der Hummelbrachen sollten über die Jahre rotieren.


Nistplätze für Wildbienen

Neben dem Mangel an Nahrungsressourcen gehört der Rückgang geeigneter Niststrukturen zu den Hauptursachen für die aktuelle Bedrohungslage der Wildbienen. Auch hier können Sie einen wertvollen Beitrag zur Wildbienenförderung leisten, wenn Sie – zusammen mit einem reichen Blütenbuffet – den Wildbienen auch geeignete Nistplätze zur Verfügung stellen. Die Nistweisen der Wildbienen sind übrigens weitaus vielfältiger, als die sogenannten Wildbienenhotels glauben lassen. 

1. Förderung bodennistender Wildbienenarten

Rund die Hälfte der mitteleuropäischen Wildbienenarten legen ihre Nester in offenen und gut besonnten Böden mit lückiger Vegetation an. Zählt man auf Bodennister spezialisierte Kuckucksbienen hinzu, dann sind es gar 70 Prozent der Arten, welche für ihre Fortpflanzung auf Bodennistplätze angewiesen sind.

Schaffen und erhalten Sie offene Bodenstellen

Auch in unseren Gärten finden bodennistende Wildbienen geeignete Brutplätze. Sie suchen sich Bodenflächen mit spärlicher Vegetation, oft an unerwarteten Stellen. Beliebt sind magere Bereiche in Rasen, Wiesen und Böschungen, offener Boden an Mauern oder Hauswänden, unversiegelte Fusswege, offene Fugen zwischen Gehwegplatten, wenig beanspruchte Randbereiche von Blumen- und Gemüsebeeten oder steile Abbruchkanten in Hangbereichen. Wichtig ist, dass die Stelle gut besonnt und der Boden nicht allzu feucht oder gar nass ist. Wenn Sie in Ihrem Garten solche offenen Bodenstellen zulassen, erhalten oder bewusst neu schaffen, werden Sie dort früher oder später Wildbienen beim Brutgeschäft beobachten können.

 

Sandnistplätze

Unter den Bodennistern gibt es artspezifische Vorlieben, was die Neigung und Materialbeschaffenheit des Bodens betrifft. Manche Arten sind relativ anspruchslos, andere wiederum stark spezialisiert. Die meisten spezialisierten Arten benötigen ein sandiges Substrat, welches auch von verschiedenen unspezialisierten Arten besiedelt wird. Gerade unter den spezialisierten Wildbienen finden sich besonders viele gefährdete Arten.

Im Siedlungsraum vorkommende Sandnister können Sie mit entsprechenden Nisthilfen gezielt unterstützen. Damit Ihre Fördermassnahmen zum Erfolg führen, ist es jedoch wichtig, einige Faktoren bezüglich Grösse, Standort- und Materialwahl zu beachten. Eine gute Anleitung finden Sie in der Broschüre Sandnisthilfen des Vereins Natur im Siedlungsraum. Bezugsquellen für geeigneten Sand sind in unserem Artikel Materialbezug aufgelistet.

Beim Verein Natur im Siedlungsraum finden Sie auch weitere Informationen und Tipps zur Förderung von bodennistenden Wildbienen. Wir empfehlen auch das kostenlose ebook von wildBee.ch.

 

2. Förderung hohlraumnistender Wildbienenarten

Etwa ein Fünftel aller mitteleuropäischer Wildbienenarten nistet in bereits vorhandenen Hohlräumen. Hohlraumnister bauen ihre Brutstätten in Käferfrassgängen im Totholz, nisten in hohlen Pflanzenstängeln und Mauer-, Fels- oder Erdspalten oder legen die Kinderstuben gar in verlassenen Schneckenhäuschen oder auch mal in einem passenden Nutzgegenstand an.

Hohlraumnistende Wildbienen können wunderbar mit entsprechenden Nisthilfen gefördert werden. Damit die Bedürfnisse möglichst vieler Arten abgedeckt werden, sollten die zur Verfügung gestellten Strukturen möglichst vielfältig sein.

Eine gute Übersicht über die verschiedenen Nistweisen der Hohlraumnister und wertvolle Tipps gibt es beim Verein Natur im Siedlungsraum.

Die im Handel angebotenen, als „Wildbienenhotels“ bekannten Nisthilfen können übrigens nur einen Teil dieser Strukturen imitieren und werden nur von relativ wenigen Arten besiedelt. Sie ermöglichen zwar spannende Beobachtungen, ihr Nutzen für die Wildbienenförderung ist jedoch beschränkt.

 

3. Förderung morschholz- und markstängelnistender Wildbienenarten

Drei Prozent der Wildbienenarten legen ihre Nester in selbst gegrabenen Gängen in morschem Holz oder markhaltigen Pflanzenstängeln an. Gerade in Siedlungsräumen gehen solche natürlichen Nistmöglichkeiten zunehmend zurück. Tragen Sie zur Trendwende bei und unterstüzen Sie die Wildbienen mit der Bereitstellung von morschem Holz und geeigneten Pflanzen.

Auch zu diesem Thema finden Sie viele wertvolle Tipps beim Verein Natur im Siedlungsraum.

 

4. Weiteres zu den Nistweisen der Wildbienen

Noch mehr spannende Informationen rund um die Nistweisen der Wildbienen finden Sie bei wildbienen.info.