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Niststrukturen für Wildbienen

Die Förderung geeigneter Nistplätze bildet eine zentrale Massnahme für den Wildbienenschutz. Wildbienen bauen ihre Nester in unterschiedlichen Kleinstrukturen, die immer an einem gut besonnten Standort und in der Nähe eines grossen Blütenangebots liegen sollten.

Blattschneiderbiene (Megachile) fliegt ihr Nest in einer gut besonnten Trockenmauer an (Bild: Christine Dobler Gross)

1. Nistplätze an der Sonne und nah bei den Blüten

Bei allen Niststrukturen für Wildbienen gilt, dass sie nur genutzt werden, wenn sie mehrere Stunden pro Tag voll besonnt sind. Niststrukturen an einem schattigen Standort werden von Wildbienen in der Regel nicht besiedelt.

Die Distanz zwischen Nistplatz und Nahrungsquelle sollte maximal 100-300 Meter betragen – je kürzer desto besser. Der Grund dafür ist simpel: Viele Wildbienenarten sind nur zwischen 5 und 10 mm gross und nicht sehr flugstark. Wenn sie auf ihren unzähligen Sammelflügen grosse Distanzen überwinden müssen, geht Zeit und Energie verloren. Zudem gelangen Parasiten besser an das Nest, wenn das Bienenweibchen sich lange am Stück davon entfernt. All das wirkt sich negativ auf den Fortpflanzungserfolg aus.

Ergänzen Sie blütenreiche Lebensräume gezielt mit geeigneten Niststrukturen für Wildbienen.

Ruderalbiotop mit Kleinstrukturen und Blütenangebot in direkter Nachbarschaft – eine optimale Kombination für Wildbienen (Bild: Albert Krebs)

2. Lückig bewachsene Bodenstellen

Die meisten Wildbienenarten legen ihre Nester in selbstgegrabenen Gängen im Erdboden an. Sie benötigen dafür unbewachsene Bodenstellen, wo sie sich in den offenen Boden graben können. Ganze 70 Prozent der heimischen Wildbienenarten sind auf solche lückig bewachsenen Bodenstellen angewiesen.

Haben Sie Mut zur Lücke – offene, gut besonnte Bodenstellen sind besonders wichtige Niststrukturen für die heimische Wildbienenfauna!

Empfehlungen:

  • Vermeiden Sie die Versiegelung von Wegen und Wegrändern, Parkplätzen, Brachflächen usw.
  • Dulden Sie vegetationsarme Bereiche oder schaffen Sie solche durch die Entfernung der Grasnarbe neu
  • Erhalten Sie locker bewachsene Böschungen; halten Sie Erdanrisse und Abbruchkanten frei von Bewuchs oder schaffen Sie diese durch Abstechen der Grasnarbe neu (Beispielbilder und Hinweise für die Praxis in der Anleitung für Abrisskanten)

Gelegentliche Störungen zum Beispiel durch Betreten der Bodennistplätze schaden den nistenden Wildbienen kaum und können sich sogar positiv auswirken, da dadurch die Vegetation gestört und der Boden offengehalten wird. Nur schattige Standorte und feuchte bis nasse Böden werden von den Bienen gemieden.

Die folgende Bildergalerie soll beispielhaft einen Eindruck vermitteln, wie geeignete Nistplätze für bodennistende Wildbienen auf verschiedenen Grünflächen aussehen können:

3. Sandnistplätze und Ruderalflächen

Viele Wildbienenarten nisten ausschliesslich oder bevorzugt in sandigem oder lösshaltigem Boden  – darunter finden sich auch zahlreiche gefährdete und seltene Arten. Durch den Erhalt sandiger Standorte oder künstliche Schüttungen mit geeignetem Substrat können sowohl diese Sandspezialisten, als auch die meisten anderen Bodennister gezielt gefördert werden. Das ungewaschene Sandsubstrat sollte einen Ton- und Schluffanteil von 8-30% und eine deutlich gelbe Färbung aufweisen. Bezugsquellen für geeignetes Substrat finden Sie in unserem Artikel Materialbezug.

Eine Anleitung für die Anlage von Sandnisthilfen finden Sie in der Anleitung zum Bau von Sandhaufen oder -flächen.

Ruderalflächen

Die Anlage von Ruderalflächen stellt besonders für die zahlreichen bodennistenden Wildbienenarten eine wertvolle Fördermassnahme dar. Auf Ruderalflächen wachsen viele wichtige Nahrungspflanzen und die gut besonnten und lückig bewachsenen Standorte werden dankbar zum Nisten angenommen. Auch für Sandschüttungen bieten Ruderalflächen optimale Bedingungen, da der Vegetationsdruck niedrig ist und die Sandstrukturen weniger schnell überwachsen.

Ruderalflächen und Sandnistplätze können mit Totholz und Steinstrukturen ergänzt werden und somit auch weiteren Wildbienenarten eine willkommene Nistgelegenheit bieten.

Blüten- und strukturreiche Ruderalfläche mit vielen lückig bewachsenen Stellen, die von bodennistenden Wildbienen besiedelt werden (Bild: Jonas Landolt)

4. Totholz

Manche Wildbienen wie die auffällige Blauschwarze Holzbiene nagen Gänge in Totholz. Als Niststruktur für Wildbienen ist nur morsches / weissfaules Starkholz (Baumstämme, Baumstrünke, starke Äste) geeignet. Asthaufen mit dünnen Ästen nützen den Wildbienen wenig, da die Bienen darin keine längeren Nistgänge anlegen können. Totholz von Laubbäumen wird deutlich besser angenommen als Nadelholz.

Empfehlungen:

  • Abgestorbene Bäume oder liegende Baumstämme möglichst erhalten und Förderflächen gezielt mit Totholz bereichern (z.B. Ruderalflächen, Blumenwiesen, Sandnistplätze)
  • Wenn ein Baum gefällt werden muss, sollte ein möglichst hoher Baumstumpf stehenbleiben
  • Legen Sie Holzbeigen mit Stammholz und starken Ästen an – dabei immer in die Höhe stapeln oder Stämme aufstellen (Hinweise für die Praxis in der  Anleitung für Totholzhaufen)
  • Stellen Sie Totholzstrukturen nach Bedarf frei, damit sie gut besonnt bleiben
  • Werten Sie Totholzstrukturen zusätzlich auf, indem Sie diese entrinden und mit künstlichen Bohrlöchern versehen

5. Nisthilfen für hohlraumnistende Wildbienen

Klassische Wildbienenhäuschen mit Holzbohrungen oder hohlen Schilf-/Bambusröhrchen werden von hohlraumnistenden Wildbienenarten besiedelt. Diese Hohlraumnister legen ihr Nest in bereits vorhandenen hohlen Gängen an. Ihre natürlichen Nistplätze sind Insektenfrassgänge in Totholz. Dementsprechend sind Totholzstrukturen mit Bohrlöchern die natürlichste und einfachste Variante zur Förderung dieser Arten.

Empfehlungen:

  • Werten Sie bestehende Totholzstrukturen wie abgestorbene Obstbäume mit Bohrungen auf oder schaffen Sie mit entrindetem Laubholz neue Totholzstrukturen und bohren Sie diese an
  • Bohrungen sollten immer quer zu den Holzfasern und so tief wie möglich (je nach Holzbohrer 5-10 cm) erfolgen – allerdings muss das Bohrloch am Ende verschlossen bleiben
  • Bohren Sie mit möglichst vielen verschiedenen Durchmessern (2-10 mm) und mindestens 2 cm Abstand zwischen jeder Bohrung
  • Bauen Sie einzelne Nisthilfen aus gut gelagerten, entrindeten Hartholzblöcken (Esche, Buche, Hainbuche, Eiche) oder Holzrugeln
  • Mehrere kleine Nisthilfen sind sinnvoller als ein möglichst grosses Hotel: so haben die Bienen Auswahlmöglichkeiten und für Parasiten sind die Nester schwieriger zu finden
  • Wählen Sie einen sonnigen Standort und richten Sie die Nisthilfen / Bohrungen nach Süden bis Osten aus
  • Machen Sie gelegentlich neue Bohrungen und ersetzen Sie stark belegte Nisthilfen durch neue (manche Wildbienenarten nutzen die Nistplätze nur einmal)

Zu beachten:

  • Viele der im Handel angebotenen Wildbienenhotels sind von ungenügender Qualität und decken die Bedürfnisse nur weniger Arten ab
  • Ergänzungen mit Strukturen wie zum Beispiel Tannenzapfen, Stroh oder Schneckengehäusen nützen den Wildbienen nichts
  • Etwa 14 Prozent der einheimischen Wildbienenarten profitieren potenziell von gut gemachten Nisthilfen für Hohlraumnister. Legen Sie auch andere Niststrukturen an – insbesondere für die zahlreichen Wildbienenarten, welche auf lückig bewachsene Bodenstellen angewiesen sind.

6. Abgestorbene Pflanzenstängel

Brombeergestrüpp

Einige Wildbienenarten wie die Gewöhnliche Keulhornbiene legen ihre Nester im Mark dürrer Pflanzenstängel an. Dicke, abgestorbene Ranken von Brombeergebüschen an sonniger Lage sind die wichtigsten Nistgelegenheiten für diese Wildbienenarten. Nur hochwachsendes Brombeergestrüpp mit mindestens 1 cm dicken Ranken wird von den Wildbienen zum Nisten genutzt. Da Brombeeren im Frühsommer zur allgemein blütenarmen Zeit blühen, kommt ihnen eine doppelt wichtige Rolle für die Wildbienen zu.

Empfehlung: Lassen Sie an der einen oder anderen gut besonnten Stelle das Aufkommen eines Brombeergestrüpps zu. Zusätzlich können Sie die Enden abgestorbener Ranken kappen oder nach dem Schnitt bündeln und so für Wildbienen zugänglich machen (siehe Merkblatt Markstängelnister). Schnittgut von Brombberen und anderen markhaltigen oder hohlen Pflanzen (z.B. Holunder) wird auch besiedelt, wenn man mit den Stängeln und Ästen an sonniger Lage einen Asthaufen erstellt.

Mehrjährige Stängelstrukturen

Markstängelnistende Arten besiedeln neben dürren Brombeerzweigen auch abgestorbene Pflanzenstängel von Königskerzen oder Disteln. Diese müssen aber mehrjährig stehenbleiben, da die Wildbienen frühestens im Jahr nach dem Absterben einziehen und die Wildbienenbrut erst im übernächsten Jahr schlüpft.

Empfehlung: Lassen Sie abgestorbene Stängel von Königskerzen oder Disteln an ungenutzten Randbereichen oder auf Brachflächen mehrjährig stehen. Zusätzlich können Sie Königskerzen, Disteln und Brombeerstängel kappen und abgeschnittene Stängel (mind. 1 cm dick und 30 cm lang) einzeln oder gebündelt an einer exponierten Stelle befestigen und so für Wildbienen verfügbar machen (siehe Merkblatt Markstängelnister).

7. Steinstrukturen

Spaltennistende Wildbienen wie die Spalten-Wollbiene bauen ihre Nester in Trockenmauerspalten oder zwischen aufeinanderliegenden Steinen. Nur schmale Ritzen eignen sich als Wohnraum. Haufen aus grossen, runden Bollensteinen nützen den Wildbienen kaum, da sich dort zu grosse Zwischenräume bilden.

Einige sehr seltene Arten wie die Schwarze Mörtelbiene mörteln ihre Nester an die Oberfläche grosser Felsen und Steine.

Empfehlung: Förderung von Steinhaufen/-linsen, Natursteinmauern, kiesig-steinigen Ruderalflächen, Findlingen usw. – diese Strukturen regelmässig freistellen, damit sie gut besonnt bleiben. Eine Anleitung für den Bau von Trockenmauern finden Sie im Merkblatt Trockenmauern von BirdLife.

8. Hummelbrachen

Hummeln nisten entweder in grösseren Hohlräumen unter der Erde (meist in alten Mäusenestern) oder sie bauen ihr Nest gut versteckt in zugewachsenen Bereichen mit viel Altgras, Moos und anderem Pflanzenstreu. Eine etwas ungepflegtere / wilde Ecke mit altem Grasfilz bietet Hummeln einen Platz zum Wohnen.

Empfehlung: Lassen Sie kleine Teilflächen (wenige Quadratmeter) mehrere Jahre als „Hummelbrache“ ungepflegt stehen. Geeignete Standorte sind zum Beispiel eine wenig genutzte Ecke im Garten, der Krautsaum einer Hecke, ein Wegrandstreifen oder sonstige Restflächen.

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