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Gefährdungslage

Seit einigen Jahren wird die Bedrohung der Bienen in den Medien, der Öffentlichkeit, Wissenschaft und Politik rege thematisiert. Aus gutem Grund: Diese wichtigsten Bestäuber sind sowohl ökologisch als auch ökonomisch von unschätzbarem Wert und ihre Gefährdungslage ist dramatisch!

1. Gefährundslage der Honigbiene

Bis vor wenigen Jahren galt beim Thema Bienensterben die Aufmerksamkeit vorwiegend der Honigbiene. Vergiftungen durch Pestizide, der vorwiegend im Sommer eintretende Nahrungsmangel, sowie die Varroamilbe und weitere Krankheiten setzen diesem fleissigen Bestäuber enorm zu und die Imkerschaft sieht sich regelmässig mit erhöhten Völkerverlusten konfrontiert.

Trotz dieser Umstände sind die Bestände der imkerlich gehaltenen Honigbiene schweizweit wie auch im Kanton Zürich gesichert und befinden sich sogar auf sehr hohem Niveau. Entgegen weit verbreiteter Meinung gilt das Nutztier Honigbiene deshalb nicht als bedroht. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sich die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) in der Obhut des Menschen befindet und durch die Imkerschaft gepflegt und erhalten wird.

2. Gefährdungslage der Wildbienen

Die wirklich alarmierenden Rückgänge sind bei den Wildbienen zu verzeichnen, denn sowohl die Bestandesgrössen als auch die Vielfalt der Arten nehmen seit Jahrzehnten ab. Und trotz Bemühungen dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sind wir von einer wirklichen Trendwende weit entfernt.

Die aktualisierte Rote Liste der Wildbienen der Schweiz, welche demnächst publiziert werden sollte, stuft voraussichtlich zwischen 40 und 45 Prozent der rund 620 nachgewiesenen einheimischen Wildbienenarten als bedroht oder bereits ausgestorben ein.

Besonders dramatisch ist die Situation in landwirtschaftlich intensiv genutzten Regionen tiefer und mittlerer Lagen, also auch im Kanton Zürich. Dies ist umso alarmierender, als dass dieser eine sehr reiche Wildbienenfauna beherbergt: Bislang konnten im Kanton Zürich 332 verschiedene Wildbienenarten nachgewiesen werden, was etwas mehr als der Hälfte der gesamtschweizerischen Wildbienenvielfalt entspricht!

3. Bedrohungsfaktoren

Die Hauptursachen für den Rückgang der Wildbienenbestände und ihrer Vielfalt liegen in einem unzureichenden Blütenangebot und fehlenden Niststrukturen. Diese Mängel sind insbesondere auf den Nutzungswandel in der Kulturlandschaft zurückzuführen: Über Jahrzehnte gingen natürliche und naturnahe Biotope verloren und die bewirtschafteten Flächen wurden immer intensiver genutzt. Die Haupttreiber dieser Entwicklung liegen in der Intensivierung der Landwirtschaft und der zunehmenden Zersiedelung.

Verlust wertvoller Lebensräume
Die Fläche und Qualität wertvoller Biotope hat stark abgenommen und ein Grossteil der für Wildbienen besonders wichtigen Lebensräume ist bereits verschwunden. Betroffen sind unter anderem magere Trockenwiesen und -weiden, Moorflächen, dynamische Flussgebiete und lichte Waldstandorte. Glücklicherweise stehen die noch verbliebenen natürlichen und naturnahen Lebensräume heute oft unter Schutz und stellen mit ihrem Blüten- und Strukturreichtum wahre Hotspots für Wildbienen dar. Allerdings sind diese Rückzugsräume nur vereinzelt in der Landschaft verteilt.

Nutzungsintensivierung in der Kulturlandschaft
Die intensive Nutzung und Düngung von Wiesen und Weiden führt zu einem starken Rückgang der Anzahl und Vielfalt von Blüten. Aufgrund dieser Entwicklung ist den Wildbienen während der letzten Jahrzehnte eine grossflächige Nahrungsgrundlage weggebrochen. Aber auch dort, wo das Blütenangebot noch etwas üppiger ist, wird den Wildbienen mit einem allzu einheitlichen und grossflächigen Mahdregime regelmässig das komplette Blütenbuffet von heute auf morgen entzogen. Insbesondere im Sommer, wenn die meisten Flächen gleichzeitig verblüht oder gemäht sind, fehlt es den Wildbienen plötzlich weitherum an Nahrung.
Auch mit der Etablierung von Monokulturen, Verdrängung von Wildkräutern und Abnahme von Brachflächen im Ackerbau gehen den Wildbienen zunehmend die benötigten Nahrungsressourcen zur Brutaufzucht verloren.
Neben einer diversen und kontinuierlichen Blütenpracht gehen dem intensiv bewirtschafteten Kulturland auch zunehmend Strukturelemente wie Hecken, Böschungen, Trockenmauern oder wenig beanspruchte Randbereiche verloren. Da diese für den Maschineneinsatz Hindernisse darstellen oder unnütz erscheinen, werden sie weitgehend zerstört – mit dramatischen Folgen für Wildbienen. Solche Lebensraumelemente mit offenen Bodenstellen, Totholz- und Steinstrukturen oder abgestorbenen Pflanzen werden von den Wildbienen für die Anlage ihrer Kinderstuben gebraucht.
Hinzu kommt, dass der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft den Bienen zu schaffen macht. Besonders bei den Wildbienen wirken sich negative Einflüsse durch Pestizide sehr direkt auf die Fortpflanzung aus.

Paradox Zersiedelung
Die fortschreitende Zersiedelung und damit einhergehende Zerstörung von ursprünglichen, durch Wildbienen besiedelten Lebensräumen ist ein weiterer gewichtiger Faktor für den Rückgang der Wildbienenvielfalt.
Gleichzeitig dienen Siedlungsräume mittlerweile auch als wichtige Rückzugsräume für Wildbienen. Im Vergleich zum intensiv genutzten Kulturland bieten diese oftmals ein vielfältiges und kontinuierliches Blütenangebot, zahlreiche Kleinstrukturen und eine geringe Pestizidbelastung. So konnten beispielsweise allein in der Stadt Zürich bislang über 200 verschiedene Wildbienenarten nachgewiesen werden.
Um die Bienenvielfalt langfristig zu sichern, muss in allen Landschaftsräumen angepackt werden: Bemühungen für eine bienenfreundliche Gestaltung der Siedlungsräume, Verbesserungen des Blüten- und Nistplatzangebots im intensiv genutzten Kulturland sowie Schutz und Wiederaufbau von natürlichen und naturnahen Lebensräumen gehen Hand in Hand.

 

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