Nistplätze

Wildbienenhotels

Sogenannte Wildbienenhotels sind weitläufig bekannt als die Massnahme zur Wildbienenförderung schlechthin. Allerdings werden diese Nisthilfen nur von einer bestimmten Gruppe unter den Wildbienen besiedelt, welche ihre Nester in vorhandenen Hohlräumen anlegen. Trotzdem können Wildbienenhotels einen Beitrag zur Wildbienenförderung und Umweltbildung leisten. Wichtig ist, dass sie gut gemacht sind und mit anderen Fördermassnahmen kombiniert werden.

Schlüpfende Mauerbiene in einer Nisthilfe (Bild: Christine Dobler Gross)

1. Nisthilfen für Hohlraumbewohner

Wildbienenhotels bieten Nistplätze für einen Teil der hohlraumbewohnenden Wildbienenarten. Diese nisten natürlicherweise vor allem im Totholz, wo sie als Nachmieter in vorhandene Käferfrassgänge einziehen. Auch abgestorbene, hohle Pflanzenstängel und andere längliche Hohlräume werden gelegentlich genutzt. Etwa 14 Prozent der heimischen Wildbienenarten zählen zu den potenziellen Bewohnern von Hohlraum-Nisthilfen. Hinzu kommen verschiedene Arten von Solitärwespen, welche dieselben Niststrukturen nutzen.

Die natürlichen Nistplätze dieser hohlraumnistenden Arten – gut besonnte Totholz- oder Stängelstrukturen – sind in unserer Landschaft selten geworden und so mancher Hohlraumbewohner ist froh um zusätzlichen Wohnraum. Immer mehr Menschen stellen ihnen diesen in Form von Wildbienenhotels zur Verfügung.

Dabei spielt es im Grunde keine Rolle, ob es sich bei den angebotenen Hohlräumen um Bohrungen im Totholz, Schilfhalme, Bambusröhrchen, oder Löcher in Ziegeln handelt. Alle übernehmen dieselbe Funktion: Sie bieten einen hohlen Gang, den die Wildbienenweibchen mit ihren Brutzellen füllen können.

Abgestorbener Baumstamm, der von Käferfrassgängen durchlöchert ist und ein Weibchen der Kleinen Blattschneiderbiene (Megachile alpicola), das in solchen Käferfrassgängen im Totholz nistet – Bilder: Albert Krebs

2. Tipps für gut gemachte Nisthilfen

Ausführliche Informationen rund um Nisthilfen für Hohlraumbewohner mit Tipps für die Praxis und einer Auflistung häufiger Bewohner gibt es auf wildbienen.info. Im Folgenden sind die wichtigsten Aspekte zusammengefasst, wie auch in unserem Artikel zu Niststrukturen für Wildbienen.

Materialauswahl

Im Grunde spielt es keine Rolle, ob Sie in Ihrer Nisthilfe Hartholz mit Bohrlöchern, Bambusröhrchen, Schilfhalme, Ziegel mit Löchern oder alles zusammen anbieten, da alle die gleiche Funktion übernehmen. Auf wildbienen.info erfahren Sie, was es bei den verschiedenen Materialien zu beachten gilt.

Andere Ausstattungen wie Stroh, Tannzapfen oder Schneckengehäuse in Wildbienenhotels bringen den Wildbienen nichts. In grösseren Wildbienenhotels können zusätzlich morsche Holzrugel und dicke Äste (ab 10 cm) platziert werden. Diese müssen nicht angebohrt werden und werden von Arten wie der Schwarzblauen Holzbiene genutzt, welche ihre Nistgänge selbständig ins morsche Holz nagen.

Totholzbohrungen und Lochgrössen

Weil die meisten Arten natürlicherweise in Käferfrassgängen im Totholz nisten, empfehlen wir als einfachste und naturnäheste Variante mit Bohrgängen im Holz zu arbeiten. Nutzen Sie gut abgelagertes, entrindetes Hartholz von Esche, Buche, Hainbuch oder Eiche. Bohren Sie immer quer zu den Holzfasern und so tief wie möglich – allerdings nur so tief, dass der Bohrgang hinten verschlossen bleibt.

Auch kleine, unauffälligere Wildbienenarten wie die Gewöhnliche Löcherbiene oder die Gewöhnliche Maskenbiene nutzen Hohlraum-Nisthilfen, benötigen aber Löcher mit einem kleineren Durchmesser. Bohren Sie deshalb verschieden grosse Löcher mit Durchmessern von 2-10 mm und mindestens 2 cm Abstand zwischen jeder Bohrung.

Einfaches Nisthilfen-Modell mit verschiedenen Lochgrössen (Bild: Philipp Heller)
Standort

Platzieren Sie die Nisthilfe etwas erhöht (nicht direkt auf dem feuchten Boden) und richten Sie diese nach Süden bis Osten aus. Wählen Sie einen Standort, der während mehreren Stunden am Tag voll besonnt ist. Mehrere kleine Nisthilfen sind sinnvoller als ein möglichst grosses Hotel: So haben die Bienen Auswahlmöglichkeiten und für Parasiten sind die Nester schwieriger zu finden. Ein regengeschützter Standort an einer Hauswand oder ein kleines Dach über der Nisthilfe ist von Vorteil, aber nicht zwingend nötig – auch in der Natur stehen die Niststrukturen regelmässig im Regen.

Pflege

Manche Bewohner wie Scherenbienen, Löcherbienen oder die Gewöhnliche Natternkopfbiene reinigen alte Nester und nutzen sie erneut. Aber gerade die frühfliegenden Gehörnten Mauerbienen und Rostroten Mauerbienen, die zu den häufigsten Nisthilfen-Bewohnern gehören, nutzen die Löcher in der Regel nur einmal.

Geschlüpfte Nester mit einem Loch im gemörtelten Nestverschluss können deshalb erneut ausgebohrt oder mit einem Pfeifenreiniger geputzt werden. Es lohnt sich, eine Nisthilfe aus mehreren kleinen Einheiten zu bauen, um einzelne davon bei Bedarf auszutauschen oder zu reinigen. Beachten Sie auch den Tipp dazu auf wildbienen.info.

Bild: pixabay

3. Blütenangebot und weitere Niststrukuren

Die wichtigste Massnahme für die Wildbienenförderung ist die Verbesserung des Blütenangebots. Nisthilfen als alleinige Massnahme nützen wenig, wenn die Wildbienen in der Umgebung keine ausreichende Nahrungsgrundlage zur Versorgung ihrer Nachkommen mit Pollen und Nektar finden. In den unterschiedlichen Infopool-Kategorien finden Sie allerlei Tipps zur Verbesserung des Blütenangebots.

Als Alternative zu klassischen Wildbienenhotels können die natürlichen Niststrukturen der hohlraumbewohnenden Wildbienen gefördert werden – nämlich gut besonnte Totholzstrukturen mit Käferfrassgängen. Wenn vorhandenes Totholz nur wenige Löcher aufweist, lässt sich dessen Wert für die Wildbienen mit ein paar künstlichen Bohrungen stark erhöhen.

Schaffen und erhalten Sie zudem neben den Nistplätzen für hohlraumnistende Wildbienen immer auch weitere Niststrukturen für Wildbienen – inbesondere lückig bewachsene Bodenstellen für die zahlreichen bodennistenden Arten.

Blüten- und strukturreiche Ruderalfläche für Wildbienen (Bild: Jonas Landolt)

4. Wildbienenhotels für die Umweltbildung

Ein grosser Vorteil der Wildbienenhotels liegt in den guten Beobachtungsmöglichkeiten, welche zur weiteren Beschäftigung mit Wildbienen anregen oder für pädagogische Zwecke genutzt werden können.

Wildbienenhotels an Standorten mit Öffentlichkeitswirkung sollten immer in Kombination mit anderen Aufwertungsmassnahmen wie Blühflächen umgesetzt werden. Bei der Umweltbildung und Wissensvermittlung (Infotafeln, Exkursionen mit Schulklassen usw.) ist entsprechend auf die weiteren Bedürfnisse der Wildbienen hinzuweisen.

Besonders wichtig ist eine Nahrungsgrundlage in Form eines vielfältigen Blütenangebots. Diese sollte in gut erreichbaren Distanzen von maximal 100 bis 300 Metern vorhanden sein. Zudem darf ein Hinweis auf die grosse Gruppe der im Erdboden nistenden Wildbienen nicht fehlen: Ganze 70 Prozent der heimischen Wildbienenarten sind auf lückig bewachsene Bodenstellen angewiesen und besiedeln möglicherweise sogar den offenen Boden direkt vor der Nisthilfe.

Exkursion zum Thema Wildbienen – an diesem Standort wurde neben dem Bienenhotel auch eine blütenreiche Fläche geschaffen (Bild: Fiona Hodel)


Niststrukturen für Wildbienen

Die Förderung geeigneter Nistplätze bildet eine zentrale Massnahme für den Wildbienenschutz. Wildbienen bauen ihre Nester in unterschiedlichen Kleinstrukturen, die immer an einem gut besonnten Standort und in der Nähe eines grossen Blütenangebots liegen sollten.

Blattschneiderbiene (Megachile) fliegt ihr Nest in einer gut besonnten Trockenmauer an (Bild: Christine Dobler Gross)

1. Nistplätze an der Sonne und nah bei den Blüten

Bei allen Niststrukturen für Wildbienen gilt, dass sie nur genutzt werden, wenn sie mehrere Stunden pro Tag voll besonnt sind. Niststrukturen an einem schattigen Standort werden von Wildbienen in der Regel nicht besiedelt.

Die Distanz zwischen Nistplatz und Nahrungsquelle sollte maximal 100-300 Meter betragen – je kürzer desto besser. Der Grund dafür ist simpel: Viele Wildbienenarten sind nur zwischen 5 und 10 mm gross und nicht sehr flugstark. Wenn sie auf ihren unzähligen Sammelflügen grosse Distanzen überwinden müssen, geht Zeit und Energie verloren. Zudem gelangen Parasiten besser an das Nest, wenn das Bienenweibchen sich lange am Stück davon entfernt. All das wirkt sich negativ auf den Fortpflanzungserfolg aus.

Ergänzen Sie blütenreiche Lebensräume gezielt mit geeigneten Niststrukturen für Wildbienen.

Ruderalbiotop mit Kleinstrukturen und Blütenangebot in direkter Nachbarschaft – eine optimale Kombination für Wildbienen (Bild: Albert Krebs)

2. Lückig bewachsene Bodenstellen

Die meisten Wildbienenarten legen ihre Nester in selbstgegrabenen Gängen im Erdboden an. Sie benötigen dafür unbewachsene Bodenstellen, wo sie sich in den offenen Boden graben können. Ganze 70 Prozent der heimischen Wildbienenarten sind auf solche lückig bewachsenen Bodenstellen angewiesen.

Haben Sie Mut zur Lücke – offene, gut besonnte Bodenstellen sind besonders wichtige Niststrukturen für die heimische Wildbienenfauna!

Empfehlungen:

  • Vermeiden Sie die Versiegelung von Wegen und Wegrändern, Parkplätzen, Brachflächen usw.
  • Dulden Sie vegetationsarme Bereiche oder schaffen Sie solche durch die Entfernung der Grasnarbe neu
  • Erhalten Sie locker bewachsene Böschungen; halten Sie Erdanrisse und Abbruchkanten frei von Bewuchs oder schaffen Sie diese durch Abstechen der Grasnarbe neu (Beispielbilder und Hinweise für die Praxis in der Anleitung für Abrisskanten)

Gelegentliche Störungen zum Beispiel durch Betreten der Bodennistplätze schaden den nistenden Wildbienen kaum und können sich sogar positiv auswirken, da dadurch die Vegetation gestört und der Boden offengehalten wird. Nur schattige Standorte und feuchte bis nasse Böden werden von den Bienen gemieden.

Die folgende Bildergalerie soll beispielhaft einen Eindruck vermitteln, wie geeignete Nistplätze für bodennistende Wildbienen auf verschiedenen Grünflächen aussehen können:

3. Sandnistplätze und Ruderalflächen

Viele Wildbienenarten nisten ausschliesslich oder bevorzugt in sandigem oder lösshaltigem Boden  – darunter finden sich auch zahlreiche gefährdete und seltene Arten. Durch den Erhalt sandiger Standorte oder künstliche Schüttungen mit geeignetem Substrat können sowohl diese Sandspezialisten, als auch die meisten anderen Bodennister gezielt gefördert werden. Das ungewaschene Sandsubstrat sollte einen Ton- und Schluffanteil von 8-30% und eine deutlich gelbe Färbung aufweisen. Bezugsquellen für geeignetes Substrat finden Sie in unserem Artikel Materialbezug.

Eine Anleitung für die Anlage von Sandnisthilfen finden Sie in der Anleitung zum Bau von Sandhaufen oder -flächen.

Ruderalflächen

Die Anlage von Ruderalflächen stellt besonders für die zahlreichen bodennistenden Wildbienenarten eine wertvolle Fördermassnahme dar. Auf Ruderalflächen wachsen viele wichtige Nahrungspflanzen und die gut besonnten und lückig bewachsenen Standorte werden dankbar zum Nisten angenommen. Auch für Sandschüttungen bieten Ruderalflächen optimale Bedingungen, da der Vegetationsdruck niedrig ist und die Sandstrukturen weniger schnell überwachsen.

Ruderalflächen und Sandnistplätze können mit Totholz und Steinstrukturen ergänzt werden und somit auch weiteren Wildbienenarten eine willkommene Nistgelegenheit bieten.

Blüten- und strukturreiche Ruderalfläche mit vielen lückig bewachsenen Stellen, die von bodennistenden Wildbienen besiedelt werden (Bild: Jonas Landolt)

4. Totholz

Manche Wildbienen wie die auffällige Blauschwarze Holzbiene nagen Gänge in Totholz. Als Niststruktur für Wildbienen ist nur morsches / weissfaules Starkholz (Baumstämme, Baumstrünke, starke Äste) geeignet. Asthaufen mit dünnen Ästen nützen den Wildbienen wenig, da die Bienen darin keine längeren Nistgänge anlegen können. Totholz von Laubbäumen wird deutlich besser angenommen als Nadelholz.

Empfehlungen:

  • Abgestorbene Bäume oder liegende Baumstämme möglichst erhalten und Förderflächen gezielt mit Totholz bereichern (z.B. Ruderalflächen, Blumenwiesen, Sandnistplätze)
  • Wenn ein Baum gefällt werden muss, sollte ein möglichst hoher Baumstumpf stehenbleiben
  • Legen Sie Holzbeigen mit Stammholz und starken Ästen an – dabei immer in die Höhe stapeln oder Stämme aufstellen (Hinweise für die Praxis in der  Anleitung für Totholzhaufen)
  • Stellen Sie Totholzstrukturen nach Bedarf frei, damit sie gut besonnt bleiben
  • Werten Sie Totholzstrukturen zusätzlich auf, indem Sie diese entrinden und mit künstlichen Bohrlöchern versehen

5. Nisthilfen für hohlraumnistende Wildbienen

Klassische Wildbienenhäuschen mit Holzbohrungen oder hohlen Schilf-/Bambusröhrchen werden von hohlraumnistenden Wildbienenarten besiedelt. Diese Hohlraumnister legen ihr Nest in bereits vorhandenen hohlen Gängen an. Ihre natürlichen Nistplätze sind Insektenfrassgänge in Totholz. Dementsprechend sind Totholzstrukturen mit Bohrlöchern die natürlichste und einfachste Variante zur Förderung dieser Arten.

Empfehlungen:

  • Werten Sie bestehende Totholzstrukturen wie abgestorbene Obstbäume mit Bohrungen auf oder schaffen Sie mit entrindetem Laubholz neue Totholzstrukturen und bohren Sie diese an
  • Bohrungen sollten immer quer zu den Holzfasern und so tief wie möglich (je nach Holzbohrer 5-10 mm) erfolgen – allerdings muss das Bohrloch am Ende verschlossen bleiben
  • Bohren Sie mit möglichst vielen verschiedenen Durchmessern (2-10 mm) und mindestens 2 cm Abstand zwischen jeder Bohrung
  • Bauen Sie einzelne Nisthilfen aus gut gelagerten, entrindeten Hartholzblöcken (Esche, Buche, Hainbuche, Eiche) oder Holzrugeln
  • Mehrere kleine Nisthilfen sind sinnvoller als ein möglichst grosses Hotel: so haben die Bienen Auswahlmöglichkeiten und für Parasiten sind die Nester schwieriger zu finden
  • Wählen Sie einen sonnigen Standort und richten Sie die Nisthilfen / Bohrungen nach Süden bis Osten aus
  • Machen Sie gelegentlich neue Bohrungen und ersetzen Sie stark belegte Nisthilfen durch neue (manche Wildbienenarten nutzen die Nistplätze nur einmal)

Zu beachten:

  • Viele der im Handel angebotenen Wildbienenhotels sind von ungenügender Qualität und decken die Bedürfnisse nur weniger Arten ab
  • Ergänzungen mit Strukturen wie zum Beispiel Tannenzapfen, Stroh oder Schneckengehäusen nützen den Wildbienen nichts
  • Etwa 14 Prozent der einheimischen Wildbienenarten profitieren potenziell von gut gemachten Nisthilfen für Hohlraumnister. Legen Sie auch andere Niststrukturen an – insbesondere für die zahlreichen Wildbienenarten, welche auf lückig bewachsene Bodenstellen angewiesen sind.

6. Abgestorbene Pflanzenstängel

Brombeergestrüpp

Einige Wildbienenarten wie die Gewöhnliche Keulhornbiene legen ihre Nester im Mark dürrer Pflanzenstängel an. Dicke, abgestorbene Ranken von Brombeergebüschen an sonniger Lage sind die wichtigsten Nistgelegenheiten für diese Wildbienenarten. Nur hochwachsendes Brombeergestrüpp mit mindestens 1 cm dicken Ranken wird von den Wildbienen zum Nisten genutzt. Da Brombeeren im Frühsommer zur allgemein blütenarmen Zeit blühen, kommt ihnen eine doppelt wichtige Rolle für die Wildbienen zu.

Empfehlung: Lassen Sie an der einen oder anderen gut besonnten Stelle das Aufkommen eines Brombeergestrüpps zu. Zusätzlich können Sie die Enden abgestorbener Ranken kappen oder nach dem Schnitt bündeln und so für Wildbienen zugänglich machen (siehe Merkblatt Markstängelnister). Schnittgut von Brombberen und anderen markhaltigen oder hohlen Pflanzen (z.B. Holunder) wird auch besiedelt, wenn man mit den Stängeln und Ästen an sonniger Lage einen Asthaufen erstellt.

Mehrjährige Stängelstrukturen

Markstängelnistende Arten besiedeln neben dürren Brombeerzweigen auch abgestorbene Pflanzenstängel von Königskerzen oder Disteln. Diese müssen aber mehrjährig stehenbleiben, da die Wildbienen frühestens im Jahr nach dem Absterben einziehen und die Wildbienenbrut erst im übernächsten Jahr schlüpft.

Empfehlung: Lassen Sie abgestorbene Stängel von Königskerzen oder Disteln an ungenutzten Randbereichen oder auf Brachflächen mehrjährig stehen. Zusätzlich können Sie Königskerzen, Disteln und Brombeerstängel kappen und abgeschnittene Stängel (mind. 1 cm dick und 30 cm lang) einzeln oder gebündelt an einer exponierten Stelle befestigen und so für Wildbienen verfügbar machen (siehe Merkblatt Markstängelnister).

7. Steinstrukturen

Spaltennistende Wildbienen wie die Spalten-Wollbiene bauen ihre Nester in Trockenmauerspalten oder zwischen aufeinanderliegenden Steinen. Nur schmale Ritzen eignen sich als Wohnraum. Haufen aus grossen, runden Bollensteinen nützen den Wildbienen kaum, da sich dort zu grosse Zwischenräume bilden.

Einige sehr seltene Arten wie die Schwarze Mörtelbiene mörteln ihre Nester an die Oberfläche grosser Felsen und Steine.

Empfehlung: Förderung von Steinhaufen/-linsen, Natursteinmauern, kiesig-steinigen Ruderalflächen, Findlingen usw. – diese Strukturen regelmässig freistellen, damit sie gut besonnt bleiben. Eine Anleitung für den Bau von Trockenmauern finden Sie im Merkblatt Trockenmauern von BirdLife.

8. Hummelbrachen

Hummeln nisten entweder in grösseren Hohlräumen unter der Erde (meist in alten Mäusenestern) oder sie bauen ihr Nest gut versteckt in zugewachsenen Bereichen mit viel Altgras, Moos und anderem Pflanzenstreu. Eine etwas ungepflegtere / wilde Ecke mit altem Grasfilz bietet Hummeln einen Platz zum Wohnen.

Empfehlung: Lassen Sie kleine Teilflächen (wenige Quadratmeter) mehrere Jahre als „Hummelbrache“ ungepflegt stehen. Geeignete Standorte sind zum Beispiel eine wenig genutzte Ecke im Garten, der Krautsaum einer Hecke, ein Wegrandstreifen oder sonstige Restflächen.


Niststrukturen in der Landwirtschaft

Wildbienen benötigen einen zentralen Ort zum Wohnen, von wo aus sie sich auf die Suche nach Pollen und Nektar begeben. Ihre Nester bauen sie in unterschiedlichen Kleinstrukturen, die immer an einem gut besonnten Standort und in der Nähe eines grossen Blütenangebots liegen sollten.

1. Nistplätze an der Sonne und nah bei den Blüten

Bei allen Niststrukturen für Wildbienen gilt, dass sie nur genutzt werden, wenn sie mehrere Stunden pro Tag voll besonnt sind. Niststrukturen an einem schattigen Waldrand oder im Schatten einer Hecke nützen wenig.

Die Distanz zwischen Nistplatz und Nahrungsquelle sollte maximal 100-300 Meter betragen – je kürzer desto besser. Der Grund dafür ist simpel: Viele Wildbienenarten sind nur zwischen 5 und 10 mm gross und nicht sehr flugstark. Wenn sie auf ihren unzähligen Sammelflügen grosse Distanzen überwinden müssen, geht Zeit und Energie verloren. Zudem gelangen Parasiten besser an das Nest, wenn das Weibchen ihr Nest lange am Stück unbeobachtet lässt. All das wirkt sich negativ auf den Fortpflanzungserfolg und die Bestäubungsleistung aus.

Ergänzen Sie blütenreiche Lebensräume (Magerwiesen, Buntbrachen, Streuobstwiesen usw.) gezielt mit geeigneten Niststrukturen für Wildbienen. Dasselbe gilt für Kulturen, die auf Bestäubung angewiesen sind: In möglichst geringer Distanz sollten sich Lebensräume befinden, die den Wildbienen sowohl Nistplätze als auch ergänzende Nahrung (Blütenangebot vor und nach der Blüte der landwirtschaftlichen Kulturen) bieten. Gute Möglichkeiten zur Anlage von Kleinstrukturen bieten sich auf Restflächen wie Wegdreiecken, im Randbereich von Kehrplätzen oder unter Strommasten (siehe swissgrid-Merkblatt „Kleinstrukturen an und unter Freileitungsmasten“).

Kleinräumig strukturierte Landschaft – die kurzen Distanzen zwischen unterschiedlichen struktur- und blütenreichen Lebensräumen sind günstig für Wildbienen (Bild: Albert Krebs)

2. Lückig bewachsene Bodenstellen

Die meisten Wildbienenarten legen ihre Nester in selbstgegrabenen Gängen im Erdboden an. Sie benötigen dafür lückig bewachsene Stellen, wo sie sich in den offenen Boden graben können. Lückig bewachsene Bodenstellen an gut besonnter Lage sind besonders wichtige Niststrukturen. Ganze 70 Prozent der heimischen Wildbienenarten sind auf solche Nistplätze angewiesen. Für eine artenreiche Wildbienengemeinschaft im Landwirtschaftsgebiet sind Bodennistplätze zentral.

Gelegentliche Störungen (Befahren mit dem Traktor usw.) schaden den nistenden Wildbienen kaum und wirken sich sogar positiv aus, da dadurch die Vegetation gestört und der Boden offengehalten wird. Nur schattige Standorte und feuchte bis nasse Böden werden von den Bienen gemieden.

Empfehlungen:

 

Beispiele für Bodennistplätzen im Landwirtschaftsgebiet:

3. Totholz

Manche Wildbienen wie die auffällige Blauschwarze Holzbiene nagen Gänge in morsches Holz. Als Niststruktur für Wildbienen ist nur Starkholz (Baumstämme, Baumstrünke, starke Äste) geeignet. Asthaufen mit dünnen Ästen nützen den Wildbienen wenig, da die Bienen darin keine längeren Nistgänge anlegen können. Totholz von Laubbäumen ist deutlich beliebter als Nadelholz.

Empfehlungen:

  • abgestorbene Bäume erhalten und beim Fällen von Bäumen einen möglichst hohen Baumstumpf stehenlassen
  • liegende Baumstämme zum Beispiel auf Weideflächen belassen
  • Holzbeigen mit Stammholz und starken Ästen anlegen (Hinweise für die Praxis in der Anleitung für Totholzhaufen)
  • Totholzstrukturen nach Bedarf freistellen, damit sie gut besonnt bleiben
  • Totholzstrukturen an sonnigen Gehölzrändern fördern, siehe Niststrukturen im Wald

4. Nisthilfen für hohlraumnistende Wildbienen

Klassische Wildbienenhäuschen mit Holzbohrungen oder hohlen Schilf-/Bambusröhrchen werden von hohlraumnistenden Wildbienenarten besiedelt. Diese Hohlraumnister legen ihr Nest in bereits vorhandenen hohlen Gängen an. Natürlicherweise wohnen sie vor allem in Frassgängen im Totholz, welche Käfer und andere Insekten hinterlassen haben. Dementsprechend sind Totholzstrukturen mit zusätzlichen Holzbohrungen die natürlichste und einfachste Variante zur Förderung dieser Arten.

Empfehlungen:

  • Bestehende Totholzstrukturen wie abgestorbene Obstbäume mit Bohrungen aufwerten
  • Mit entrindetem Laubholz neue Totholzstrukturen anlegen und diese anbohren
  • Bohrungen mit möglichst vielen verschiedenen Durchmessern (2-10 mm) und mindestens 2 cm Abstand zwischen jeder Bohrung
  • Bohrungen immer quer zu den Holzfasern und so tief wie möglich (je nach Holzbohrer 5-10 mm) – allerdings muss das Bohrloch am Ende  verschlossen bleiben
  • Einzelne Nisthilfen aus gut gelagerten, entrindeten Hartholzblöcken (Esche, Buche, Hainbuche, Eiche) oder Holzrugeln bauen, mehrere kleine Nisthilfen auf dem Betrieb verteilen statt einer grossen Nisthilfe – gibt den Bienen Auswahlmöglichkeiten und macht es für Parasiten schwieriger die Nester zu finden
  • Nisthilfen und Bohrungen an bestehenden Totholzstrukturen nach Süden bis Osten ausrichten
  • Gelegentlich neue Bohrungen machen und stark belegte Nisthilfen durch neue ersetzen, da manche Wildbienenarten die Nistplätze nur einmal nutzen

5. Abgestorbene Pflanzenstängel

Brombeergestrüpp

Einige Arten unter den Wildbienen legen ihre Nester im Mark dürrer Pflanzenstängel an. Dicke, abgestorbene Ranken von Brombeergebüschen an sonniger Lage sind die wichtigsten Nistgelegenheiten für diese Wildbienenarten. Nur hochwachsendes Brombeergestrüpp mit mindestens 0.5 – 1 cm dicken Ranken wird genutzt. Da Brombeeren im Frühsommer zur allgemein blütenarmen Zeit blühen, kommt ihnen eine doppelt wichtige Rolle für die Wildbienen zu.

Empfehlung: Lassen Sie an der einen oder anderen gut besonnten Stelle das Aufkommen eines Brombeergestrüpps zu. Zusätzlich können Sie die Enden abgestorbener Ranken kappen oder nach dem Schnitt bündeln und so für Wildbienen zugänglich machen (siehe Merkblatt Markstängelnister). Schnittgut von Brombberen und anderen markhaltigen oder hohlen Pflanzen (z.B. Holunder) wird auch besiedelt, wenn man mit den Stängeln und Ästen an sonniger Lage einen Asthaufen erstellt.

Mehrjährige Stängelstrukturen

Markstängelnistende Arten besiedeln neben dürren Brombeerzweigen auch abgestorbene Pflanzenstängel von Königskerzen oder Disteln. Diese müssen aber mehrjährig stehenbleiben, da die Wildbienen frühestens im Jahr nach dem Absterben einziehen und die Wildbienenbrut erst im übernächsten Jahr schlüpft.

Empfehlung: Lassen Sie abgestorbene Stängel von Königskerzen oder Disteln (ausser Ackerkratzdisteln) an ungenutzten Randbereichen oder auf Brachflächen mehrjährig stehen. Zusätzlich können Sie Königskerzen kappen oder nach dem Schnitt bündeln und so für Wildbienen zugänglich machen (siehe Merkblatt Markstängelnister).

6. Steinstrukturen

Spaltennistende Wildbienen bauen ihre Nester in Trockenmauerspalten oder zwischen aufeinanderliegenden Steinen. Nur schmale Ritzen eignen sich als Wohnraum. Haufen aus grossen, runden Bollensteinen nützen den Wildbienen kaum, da sich dort zu grosse Zwischenräume bilden.

Einige weitere Arten wie die seltene Schwarze Mörtelbiene mörteln ihre Nester an die Oberfläche grosser Felsen und Steine.

Empfehlung: Förderung von Steinhaufen/-linsen, Natursteinmauern, kiesig-steinigen Ruderalflächen, Findlingen usw. – diese Strukturen regelmässig freistellen, damit sie gut besonnt bleiben.

7. Hummelbrachen

Hummeln nisten entweder in grösseren Hohlräumen unter der Erde (meist in alten Mäusenestern) oder sie bauen ihr Nest gut versteckt in zugewachsenen Bereichen mit viel Altgras, Moos und anderem Pflanzenstreu. Eine etwas ungepflegtere Ecke mit altem Grasfilz bietet Hummeln einen Platz zum Wohnen.

Empfehlung: Lassen Sie kleine Teilflächen (wenige Quadratmeter) mehrere Jahre als „Hummelbrache“ ungemäht stehen. Geeignete Standorte sind zum Beispiel der Krautsaum einer Hecke, ein Wegrandstreifen oder sonstige Restflächen. Die Standorte der Hummelbrachen sollten über die Jahre rotieren.


Niststrukturen im Wald

Wildbienen sind für den Bau ihrer Nester auf verschiedene Kleinstrukturen angewiesen. Die wichtigsten Niststrukturen für waldbewohnende Wildbienen sind Totholz, lückig bewachsene Bodenstellen und Brombeergebüsche. Besonders wichtig ist, dass sich die Nistplätze an einem gut besonnten Standorten befinden.

Kürzlich aufgewerteter Waldrand mit stehendem Totholz und weiteren Niststrukturen für Wildbienen (Bild: Philipp Heller)

1. Totholz

Für die Wildbienen im Wald sind Totholzstrukturen besonders wichtig. Viele waldbewohnende Arten legen ihre Nester in Käferfrassgängen im Totholz an oder nisten in selbstgenagten Gängen im Morschholz.

Die Nester werden hauptsächlich im Starkholz (Baumstämme, Baumstrünke, starke Äste) angelegt. Asthaufen mit dünnen Ästen nützen den Wildbienen wenig. Totholz von Laubbäumen ist deutlich beliebter als Nadelholz. Zudem wird das Totholz von den Wildbienen nur dann zum Nisten genutzt, wenn es während mehrerer Stunden am Tag voll besonnt ist.

Empfehlungen:

  • stehendes Totholz erhalten und freistellen
  • einzelne Bäume ringeln statt fällen
  • beim Fällen von Bäumen einen hohen Strunk von 1-2 Metern stehenlassen, noch besser mit einer Erntemaschine auf einer Höhe von 2–3 Metern kappen
  • bestehende Totholzstrukturen bei der Waldrandpflege freistellen
  • liegendes Starkholz (Stämme und starke Äste) an sonnige Stellen transportieren und nach Möglichkeit in die Höhe stapeln; Starkäste auf Asthaufen ganz oben ablagern
  • Totholzstrukturen mit wenigen Käferfrassgängen zusätzlich mit ein paar Dutzend künstlichen Bohrlöchern (Durchmesser 2-10 mm) aufwerten, was ihren Wert für Wildbienen massiv erhöht

2. Lückig bewachsene Bodenstellen

Die meisten Wildbienenarten nisten in selbstgegrabenen Gängen im Erdboden. Dafür benötigen sie lückig bewachsene Bodenstellen an gut besonnten Standorten. Im Wald besiedeln sie beispielsweise Wegränder, spärlich bewachsene Böschungen, Abrisskanten oder erdige Wurzelteller. Nach einer Auslichtung können Wildbienen auch vorübergehend im noch unbewachsenen Waldboden nisten.

Empfehlung: Achten Sie bei bei der Waldrandpflege darauf, dass offene Bodenstellen freigestellt und durch wiederkehrende Eingriffe (Mahd / Auslichtung) offengehalten werden.

3. Brombeergestrüpp

Einige Wildbienenarten legen ihre Nester im Mark dürrer Pflanzenstängel an. Dicke, abgestorbene Ranken von Brombeergebüschen an sonniger Lage sind die wichtigsten Nistgelegenheiten für diese Wildbienenarten. Da Brombeeren im Frühsommer zur allgemein blütenarmen Zeit blühen, kommt ihnen eine doppelt wichtige Rolle für die Wildbienen zu.

Die niedrigwachsenden Brombeerbestände, die den Waldboden oftmals lückenlos bedecken, haben zu dünne Ranken und kommen in der Regel nicht zur Blüte. Nur hochwachsendes Brombeergestrüpp mit mindestens 0.5 – 1 cm dicken Ranken ist für Wildbienen von Bedeutung.

Empfehlung: Lassen Sie an der einen oder anderen gut besonnten Stelle am Waldrand, auf einem Kahlschlag oder im Bereich einer Grube das Aufkommen eines Brombeergestrüpps zu. Durch das Kappen dicker Brombeerranken mit einer Gartenschere lässt sich der Wert als Nistplatz zusätzlich stark erhöhen. Schnittgut von Brombberen und anderen markhaltigen oder hohlen Pflanzen (z.B. Holunder) wird auch besiedelt, wenn man mit den Stängeln und Ästen an sonniger Lage einen Asthaufen erstellt.


Bienenparadies Ruderalfläche

Die Anlage einer Ruderalfläche bietet die optimale Grundlage für eine effektive Wildbienenförderung. 

1. Was sind Ruderalflächen?

Ruderalflächen sind gestörte, nur spärlich bewachsene Standorte, welche in der Natur unter anderem durch Erdrutsche oder Ablagerungen entlang von Gewässern entstehen. Auch menschliche oder tierische Aktivität kann solche Standorte hinterlassen, beispielsweise auf Brachflächen, nur gelegentlich genutzten Wegen und Plätzen oder auf Viehweiden.

Aufgrund fehlender Konkurrenz können sich auf Ruderalflächen spezialisierte und wertvolle Pionierpflanzen ansiedeln.

 

2. Ruderalflächen und Wildbienenschutz

Trockenwarme und nährstoffarme Ruderalflächen auf kiesigem Untergrund sind für Wildbienen in mehrerlei Hinsicht besonders wertvoll: Auf solchen Flächen gedeihen Pflanzen, welche in der Landschaft nur noch selten vorzufinden, für Wildbienen jedoch von grosser Wichtigkeit sind. Zudem sind Ruderalflächen nur lückig bewachsen und bieten mit den vielen offenen Bodenstellen attraktive Nistmöglichkeiten für Bodennister. Nicht zuletzt fühlen sich die wärmeliebenden Wildbienen in diesem speziellen Mikroklima besonders wohl.

 

3. Anlage einer Ruderalfläche

Die Anlage einer Ruderalfläche im eigenen Garten ist kein kompliziertes, aber ein durchaus aufwändiges Unterfangen. Für die gezielte Wildbienenförderung zahlt sich die Mühe jedoch auf jeden Fall aus!

Falls Sie selbst Hand anlegen möchten, empfehlen wir Ihnen das Kapitel Ruderalflur aus dem Praxishandbuch «Natur braucht Stadt – Mehr Biodiversität in Bern». Sollten Sie lieber Hilfe in Anspruch nehmen wollen, dann wenden Sie sich am besten an einen spezialisierten Naturgartenbetrieb.

 

4. Bepflanzung einer Ruderalfläche

Eine Ruderalfläche kann mittels Einsaat und/oder Staudensetzlingen bepflanzt werden. Spannend und durchaus wertvoll ist es auch, einige Flächen der Natur zu überlassen. Mit der Zeit werden sich dort ganz von alleine Pflanzen einfinden.

Bei der Suche nach passenden Wildstauden hilft Ihnen floretia.ch, entsprechende Bezugsquellen sind in unserem Artikel Gärtnereien aufgelistet. Gute Samenmischungen für Ruderalflächen finden Sie unter anderem bei Artha Samen.

 

5. Kleinstrukturen auf Ruderalflächen

Ruderalflächen können wunderbar mit Kleinstrukturen ergänzt werden. Diese kommen sowohl verschiedenen Bienenarten als auch dem Auge der BetrachterInnen zugute.

  • Sandhaufen oder Sandlinsen werden von bodennistenden, teils auch seltenen und spezialisiersten Arten besiedelt.
  • Totholzstrukturen aus gröberen Ästen oder Stämmen werden von morschholznistenden Wildbienen bezogen. Wenn Käferfrassgänge vorhanden sind oder künstliche Löcher gebohrt werden, nisten sich dort auch Holraumbewohner ein.
  • – Auch in den Spalten von Trockenmauern legen einige hohlraumnistende Wildbienen ihre Kinderstuben an.
  • – Steinhaufen und einzelne grössere Steine sorgen für Struktur und manche Arten nisten versteckt in ihrem Schutz.

 

6. Pflege einer Ruderalfläche

Die Pflege einer Ruderalfläche gestaltet sich ziemlich einfach. Entsprechende Tipps finden Sie ab Seite 101 im Kapitel Ruderalflur des Praxishandbuchs «Natur braucht Stadt – Mehr Biodiversität in Bern». Um eine Nährstoffanreicherung zu vermeiden, kann bei Bedarf das Herbstlaub vorsichtig beseitigt werden.

Es ist im Übrigen überhaupt kein Problem, die Ruderalfläche gelegentlich zu betreten. Sollten sich dort bereits bodennistende Wildbienen angesiedelt haben, können Sie darauf natürlich etwas Rücksicht nehmen, auch wenn die Nestanlagen grundsätzlich nicht so schnell kaputtzukriegen sind. Zudem sind gelegentliche Störungen sogar von Vorteil, da sie den Boden offenhalten.

 


Nistplätze für Wildbienen

Neben dem Mangel an Nahrungsressourcen gehört der Rückgang geeigneter Niststrukturen zu den Hauptursachen für die aktuelle Bedrohungslage der Wildbienen. Auch hier können Sie einen wertvollen Beitrag zur Wildbienenförderung leisten, wenn Sie – zusammen mit einem reichen Blütenbuffet – den Wildbienen auch geeignete Nistplätze zur Verfügung stellen. Die Nistweisen der Wildbienen sind übrigens weitaus vielfältiger, als die sogenannten Wildbienenhotels glauben lassen. 

1. Förderung bodennistender Wildbienenarten

Rund die Hälfte der mitteleuropäischen Wildbienenarten legen ihre Nester in offenen und gut besonnten Böden mit lückiger Vegetation an. Zählt man auf Bodennister spezialisierte Kuckucksbienen hinzu, dann sind es gar 70 Prozent der Arten, welche für ihre Fortpflanzung auf Bodennistplätze angewiesen sind.

Schaffen und erhalten Sie offene Bodenstellen

Auch in unseren Gärten finden bodennistende Wildbienen geeignete Brutplätze. Sie suchen sich Bodenflächen mit spärlicher Vegetation, oft an unerwarteten Stellen. Beliebt sind magere Bereiche in Rasen, Wiesen und Böschungen, offener Boden an Mauern oder Hauswänden, unversiegelte Fusswege, offene Fugen zwischen Gehwegplatten, wenig beanspruchte Randbereiche von Blumen- und Gemüsebeeten oder steile Abbruchkanten in Hangbereichen. Wichtig ist, dass die Stelle gut besonnt und der Boden nicht allzu feucht oder gar nass ist. Wenn Sie in Ihrem Garten solche offenen Bodenstellen zulassen, erhalten oder bewusst neu schaffen, werden Sie dort früher oder später Wildbienen beim Brutgeschäft beobachten können.

 

Sandnistplätze

Unter den Bodennistern gibt es artspezifische Vorlieben, was die Neigung und Materialbeschaffenheit des Bodens betrifft. Manche Arten sind relativ anspruchslos, andere wiederum stark spezialisiert. Die meisten spezialisierten Arten benötigen ein sandiges Substrat, welches auch von verschiedenen unspezialisierten Arten besiedelt wird. Gerade unter den spezialisierten Wildbienen finden sich besonders viele gefährdete Arten.

Im Siedlungsraum vorkommende Sandnister können Sie mit entsprechenden Nisthilfen gezielt unterstützen. Damit Ihre Fördermassnahmen zum Erfolg führen, ist es jedoch wichtig, einige Faktoren bezüglich Grösse, Standort- und Materialwahl zu beachten. Eine gute Anleitung finden Sie in der Broschüre Sandnisthilfen des Vereins Natur im Siedlungsraum. Bezugsquellen für geeigneten Sand sind in unserem Artikel Materialbezug aufgelistet.

Beim Verein Natur im Siedlungsraum finden Sie auch weitere Informationen und Tipps zur Förderung von bodennistenden Wildbienen. Wir empfehlen auch das kostenlose ebook von wildBee.ch.

 

2. Förderung hohlraumnistender Wildbienenarten

Etwa ein Fünftel aller mitteleuropäischer Wildbienenarten nistet in bereits vorhandenen Hohlräumen. Hohlraumnister bauen ihre Brutstätten in Käferfrassgängen im Totholz, nisten in hohlen Pflanzenstängeln und Mauer-, Fels- oder Erdspalten oder legen die Kinderstuben gar in verlassenen Schneckenhäuschen oder auch mal in einem passenden Nutzgegenstand an.

Hohlraumnistende Wildbienen können wunderbar mit entsprechenden Nisthilfen gefördert werden. Damit die Bedürfnisse möglichst vieler Arten abgedeckt werden, sollten die zur Verfügung gestellten Strukturen möglichst vielfältig sein.

Eine gute Übersicht über die verschiedenen Nistweisen der Hohlraumnister und wertvolle Tipps gibt es beim Verein Natur im Siedlungsraum.

Die im Handel angebotenen, als „Wildbienenhotels“ bekannten Nisthilfen können übrigens nur einen Teil dieser Strukturen imitieren und werden nur von relativ wenigen Arten besiedelt. Sie ermöglichen zwar spannende Beobachtungen, ihr Nutzen für die Wildbienenförderung ist jedoch beschränkt.

 

3. Förderung morschholz- und markstängelnistender Wildbienenarten

Drei Prozent der Wildbienenarten legen ihre Nester in selbst gegrabenen Gängen in morschem Holz oder markhaltigen Pflanzenstängeln an. Gerade in Siedlungsräumen gehen solche natürlichen Nistmöglichkeiten zunehmend zurück. Tragen Sie zur Trendwende bei und unterstüzen Sie die Wildbienen mit der Bereitstellung von morschem Holz und geeigneten Pflanzen.

Auch zu diesem Thema finden Sie viele wertvolle Tipps beim Verein Natur im Siedlungsraum.

 

4. Weiteres zu den Nistweisen der Wildbienen

Noch mehr spannende Informationen rund um die Nistweisen der Wildbienen finden Sie bei wildbienen.info.