Empfehlenswerte Publikationen
Das Artensterben geht weiter: weltweit und erst recht in der Schweiz Artikel von naturschutz.ch
«Vom 27. Juli bis 1. August tagt das wissenschaftliche Gremium der Biodiversitätskonvention. Dabei zeigt sich: Bei den vereinbarten Zielen gibt es kaum Fortschritte. Laien gilt die Schweiz in Sachen Umwelt und Natur als Vorzeigebeispiel. Die Realität ist aber eine andere: Bei der Biodiversität sind wir weit abgefallen und inzwischen sogar das Schlusslicht in Europa.» […]
«Auf dem internationalen Parkett engagiert sich die Schweiz an vorderster Front für griffige Massnahmen und transparente Berichterstattung. Auch beim Zustand der Natur sieht sich die Schweiz selbst gerne als Musterschülerin. Doch dies entspricht leider nicht den Tatsachen: Der Schweizer Biodiversität geht es schlecht. Fast die Hälfte der Lebensräume und mehr als ein Drittel der Arten sind gefährdet. Bei den Wildbienen sind gar 45% der heimischen Arten bedroht, fast 10% bereits ausgestorben. Im Vergleich mit Deutschland, Frankreich, Österreich oder Italien fällt die Schweiz deutlich zurück, unsere Roten Listen sind am längsten.» […]
«Der zweite Aktionsplan zur Biodiversität, den der Bundesrat Ende 2025 verabschiedet hat, wurde im NBSAP-Tracker (Nationale Biodiversität Strategien und Handlungspläne) am schlechtesten bewertet von allen eingereichten Aktionsplänen. Auch beim Anteil Schutzgebietsfläche belegt die Schweiz den letzten Platz: Während der EU-Schnitt bei gut 26% liegt, ist es in der Schweiz auch bei grosszügiger Rechnung maximal halb so viel. Zudem verlieren die wertvollsten Schutzgebiete, die Biotope von nationaler Bedeutung, laufend an Qualität.» […]
«Wenn die Biodiversität auch den künftigen Generationen als Lebens- und Wirtschaftsgrundlage zur Verfügung stehen soll, sind rasch massiv grössere Anstrengungen in allen Bereichen der Politik und Gesellschaft und deutlich mehr Finanzmittel nötig als bisher», betont Raffael Ayé, Geschäftsführer von BirdLife Schweiz.
Förderung wildlebender Honigbienen in Solothurn
2021 wurde die Honigbiene vom Bundesamt für Umwelt BAFU zum heimischen Wildtier erklärt, allerdings beschränkt auf die Dunkle Biene. Wilde Bienenvölker sind damit als schutzwürdig erklärt worden. Seit letztem Jahr sind wildlebende Völker der Westlichen Honigbiene von der IUCN erstmals als gefährdet (entspricht Rote Liste Status 3) eingestuft worden.
Im Forstbetrieb Dorneckberg (Kt. Solothurn) wird seit 2019 ein Projekt zur Förderung wildlebender Honigbienen durchgeführt. Der Projektbericht wurde jetzt veröffentlicht.
Hauptziel des Projekts war, wildlebende Honigbienen im Wald, in ihrem ursprünglichen Lebensraum, anzusiedeln. Die Waldbienenpopulationen sollten sich weitgehend selbst erhalten, sodass sie langfristig eine natürliche Toleranz oder Resistenz gegenüber Krankheiten entwickeln können.
Wichtige Elemente des Projektes waren die Bereitstellung von Baum- und Klotzbeuten (Behausungen der Bienen, die natürlichen Baumhöhlen nachempfunden sind) und Massnahmen zur Förderung einer blütenreichen Vegetation. So wurden seit 2019 insgesamt 1’213 Bäume und Sträucher gepflanzt, auf einer Länge von 6’616 m bzw. auf 1’985 Aren Waldrand aufgewertet, auf 17.4 ha Wiesen auf gestaffelte Mahd umgestellt und 4.5 ha Wildblumenwiese angesät.
Seit 2019 stammen 21 von 49 Bienenschwärmen, also etwas weniger als die Hälfte, von natürlichen Schwärmen, die die bereitgestellten Klotzbeuten und Bäume besiedelt haben, was mit 43% als grosser Erfolg gewertet werden kann. Im Vergleich zu einer Überlebensrate wildlebender Honigbienen von rund 12 % lag die Überlebensrate im Projekt über alle Jahre hinweg mit 22.4 % deutlich höher.
Pollenanalysen belegen, dass die grosse Mehrheit der gesammelten Pollen von Wiesen- und Ackerpflanzen stammt, während Himbeere, Brombeere und Efeu als wichtige Leitpollen aus dem Wald auftreten.
Das Projektteam erwartet in der kommenden 3. Projektphase Aufschlüsse, weshalb die Dunkle Biene (Apis mellifera mellifera) für das Überleben wildlebender Bienenvölker eine entscheidende Rolle gespielt hat. Es könnte gut sein, dass nicht nur Land- und Forstwirtschaft zum Verschwinden wildlebender Populationen in unseren Wäldern geführt haben, sondern die radikale Umstellung der Schweizer Imker*innen auf die Kärntnerbiene (Apis mellifera carnica).
Verborgene Insekten-Vielfalt in Grashalmen durch Mähen bedroht
Im Rahmen der Studie unter Federführung der Universität Göttingen wurden über 23’000 Grashalme genauestens vermessen, geöffnet und auf ihren Insektenbesatz hin untersucht. Mit einem bemerkenswerten Ergebnis: Die Forschenden wiesen insgesamt 255 verschiedene Insektenarten in den Halmen nach. Pro Grasart fanden sie im Durchschnitt 41.4 Insektenarten, wobei 63 % davon auf Gräser spezialisiert sind. Angesichts dieser verborgenen Vielfalt plädieren sie für mehrjährig ungemähte Rückzugsflächen im Grünland, da die meisten dieser spezialisierten Arten auf ungestörte, überjährige Halme angewiesen sind, das heisst sie überleben nur, wenn die Wiese nicht jedes Jahr gemäht wird. |