Empfehlenswerte Publikationen
Biodiversitätsförderflächen im Ackerland: Wirkungen auf Biodiversität und Ökosystemleistungen
In dieser Arbeit wurde mittels einer Synthese des aktuellen Wissensstandes der Frage nachgegangen, wie sich Acker-Biodiversitätsförderflächen (Acker-BFF) auf die Biodiversität und die Erbringung von Ökosystemleistungen im Schweizer Ackerland auswirken. Die Analyse zeigt, dass insbesondere die Ansaat von Wildblumenmischungen eine grosse Förderwirkung auf Wildbienen und weitere Insekten hat. In einzelnen Untersuchungen konnte auch nachgewiesen werden, dass sich Buntbrachen und einjährige Nützlingsstreifen positiv auf die Regulierung von Schadinsekten auswirken und Acker-BFF die Bestäubungsleistung fördern können. Gleichzeitig können aber auch negative Effekte, wie das Aufkommen von unerwünschten Pflanzen oder Mäuse- und Schneckendruck, nicht immer ausgeschlossen werden. Die Autoren kommen zum Schluss, dass Acker-BFF einerseits ein äusserst sinnvolles Instrument zur Biodiversitätsförderung im Ackerland darstellen, es andererseits aber noch weitere Forschungsbemühungen bräuchte, um noch offene Fragen zu klären, Herausforderungen zu adressierten und die Akzeptanz der Massnahmen zu steigern.
Das Pestizidrisiko bei der kommerziellen Bestäubung von Äpfeln ist für Honigbienen größer als für andere Nutz- und Wildbienen
Diese Studie vergleicht die Pestizidexposition und das Risiko bei verschiedenen Bienenarten während der Bestäubung von Apfelplantagen, einschließlich Honigbienen, Hummeln und Wildbienen. 95 % der Bienenproben waren mit Pestiziden belastet, wobei der höchste Kontaminationsgrad bei Wildbienen der Gattung Andrena festgestellt wurde. Honigbienen waren einem signifikant höheren Risiko ausgesetzt, insbesondere durch das Insektizid Thiamethoxam, das hauptsächlich von außerhalb der Plantagen stammt. Die Studie zeigt, dass Pestizidexposition ein landschaftsweites Problem ist und Maßnahmen über einzelne Betriebe hinausgehen müssen, um Bienen zu schützen, da Pestizide von umliegenden Feldern stammen können.
Nestansammlungen von Wildbienen und Schlupfwespen in städtischen Gehwegen: Ein „ Strassenleben “, das in der Stadtplanung gefördert werden sollte
In dieser Arbeit wurde das Vorkommen von bodennistenden Wildbienen und Grabwespen unter städtischen Pflasterflächen in Brüssel untersucht. Mithilfe von Citizen Science wurden 22 Arten aus 10 Familien an 89 Standorten identifiziert. Die Ergebnisse zeigen, dass Sandsteinplatten oder Betonplatten mit ungebundenen Fugen von etwa 10 mm besonders gut geeignete Nistplätze darstellen. Der Boden unter diesen Pflasterflächen bestand hauptsächlich aus sandigen Partikeln.
Die Autoren legen nahe, dass eine angepasste Gestaltung der Bürgersteige, nicht nur der Adaptation an den Klimawandel sondern auch der Steigerung der urbanen Biodiversität dienen kann.
Eine globale Analyse zeigt, dass Wildinsekten und Honigbienen für die Ernteerträge gleichermaßen wichtig sind
In dieser Studie wurde die Bedeutung von Wildinsekten und Honigbienen für die Erträge von Nutzpflanzen in verschiedenen landwirtschaftlichen Systemen weltweit untersucht. Die Analyse zeigte, dass sowohl Wildbestäuber als auch Honigbienen entscheidend zur Bestäubung und Produktivität der Ernten beitragen. Die Forschenden analysierten Daten zu einer Vielzahl von Nutzpflanzen und geografischen Regionen und stellten fest, dass die Beiträge von Wildinsekten zur Bestäubung oft genauso wichtig sind wie die der Honigbienen. Die Autoren betonen, dass es für die Gewährleistung stabiler Erträge notwendig ist, sowohl Honig- als auch Wildbienen in den landwirtschaftlichen Praktiken zu berücksichtigen. Darüber hinaus heben sie den Wert der Biodiversität zur Aufrechterhaltung wirksamer Bestäubungsdienste hervor und warnen vor den Risiken, sich allein auf Honigbienen zu verlassen. Die Ergebnisse sprechen für Schutzstrategien, die sowohl Wildbestäuber als auch bewirtschaftete Bienenvölker unterstützen, um die Nachhaltigkeit der Landwirtschaft zu fördern.
Auf dem Weg zur akustischen Überwachung von Bienen: Flügelschlaggeräusche stehen im Zusammenhang mit Arten und individuellen Merkmalen
In dieser Studie wurde die Anwendung von passiver Akustik zur Überwachung von Bienenarten untersucht, um deren Rückgang und Verhalten besser erfassen zu können. Mithilfe von Richtmikrofonen und maschinellem Lernen haben die Forschenden die Flügelschlaggeräusche von iberischen Honig- und Wildbienen aufgezeichnet, charakterisiert und analysiert. Sie fanden heraus, dass die Frequenz der Flügelschläge negativ mit der Körpergröße und der Umgebungstemperatur korreliert, jedoch positiv mit stressbedingten Bedingungen. Auch fanden sie eine charakteristische akustische Signatur bei der Europäischen Honigbiene, die eine automatische Klassifizierung dieser Biene aus einem Pool von Wildbienen ermöglichte. Trotz des noch grossen Forschungs- und Entwicklungsbedarfs weisen die Autoren mit ihrer Studie auf das grosse Potenzial der passiven Akustik bei der Identifizierung und Überwachung von Bestäubern hin.
Pestizideinsatz wirkt sich negativ auf Hummeln in europäischen Landschaften aus
Diese Studie untersuchte den Einfluss von Pestiziden auf Hummeln in landwirtschaftlichen Gebieten in acht europäischen Ländern. Sie zeigt, dass die Belastung durch Pestizide in landwirtschaftlichen Gegenden die Leistung von Hummelkolonien erheblich beeinträchtigt, insbesondere in wenig komplexen Agrarlandschaften mit intensiver Landwirtschaft. Die Forschenden stellten fest, dass die von Hummeln gesammelten Pollen zahlreiche Pestizide enthalten, von welchen Insektizide das größte Risiko darstellen. In solchen Landschaften, die überwiegend aus Ackerland bestehen und weniger Blütenressourcen bieten, wurden stärkere Rückgänge der Kolonieleistung verzeichnet. Diese Ergebnisse verdeutlichen die Notwendigkeit einer verstärkten Überwachung von Pestizidbelastungen und ihrer Auswirkungen auf Bienenpopulationen und legen nahe, dass das aktuelle regulatorische System nicht ausreicht, um die Auswirkungen auf Nichtzielorganismen wie Bestäuber zu begrenzen.
Bienen nehmen zu, Blumen nehmen ab: Verstärkte Ressourcenbeschränkung vom späten Frühjahr bis zum Sommer in Agrarlandschaften
Diese Studie untersucht den saisonalen Mangel an Blütenressourcen für Wildbienen in landwirtschaftlichen Landschaften und betont die Bedeutung von zeitlich abgestimmten Maßnahmen zum Schutz der Bestäuber. In einem fünfjährigen Untersuchungszeitraum wurden Bienen und Blüten in 160 halb-natürlichen Lebensräumen mehrfach jährlich von Mai bis Juli erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass die Blütenverfügbarkeit im Mai ihren Höhepunkt erreicht und danach bis Juli stark abnimmt. Sowohl Hummeln als auch solitäre Bienen sind im späteren Sommer stärker von einem Mangel an Blütenressourcen betroffen. Solitäre Bienen profitieren eher von lokalen Blütenressourcen, während Hummeln eine Landschaftsebene mit einer größeren Verfügbarkeit an Blütenressourcen benötigen. Die Autoren empfehlen, Maßnahmen zur Verbesserung der Blütenressourcen besonders für den Sommer zu ergreifen, insbesondere durch die Förderung blühender Weideflächen und anderer großflächiger Lebensräume.
Blühstreifen in Weinbergen: Förderung von Wildbienen
In dieser ETH-Masterarbeit wurde der Einfluss von angesäten Blühstreifen in Weinbergen auf die Häufigkeit und Vielfalt von Wildbienen untersucht und mit Weinbergen, die spontane Vegetation aufweisen verglichen. Die Studie wurde über zwei Jahre in 10 Schweizer Weinbergen durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass Blühstreifen sowohl das Blütenvolumen als auch die Diversität der Wildbienen signifikant erhöhen. Während die Vielfalt der Blüten positiv mit der Bienenvielfalt korreliert, hatte das Blütenvolumen selbst keinen wesentlichen Einfluss auf die Anzahl der Bienen. Die Studie schließt, dass Blühstreifen zur Förderung der Biodiversität beitragen, jedoch weitere Forschung erforderlich ist, um Pflanze-Biene-Interaktionen besser zu verstehen und Naturschutzstrategien in Weinbergen zu optimieren.
Risiko von Pflanzenschutzmitteln für Wildbienen in Weinbergen mit eingesäten Wildblumenstreifen im Vergleich zu Weinbergen mit natürlicher Vegetation
Auch diese Masterarbeit widmet sich Wildbienen in Weinbergen, setzt den Fokus jedoch auf die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln (PSM). Untersucht wurden Weinberge in denen Wildblumenstreifen gesät wurden sowie solche mit natürlicher Vegetation. Im Zentrum der Analyse stand die Frage, ob die Anwendung von PSM eine ökologische Falle für Wildbienen darstellt, indem sie zwar Nahrung durch Blumenstreifen anziehen, gleichzeitig aber durch die chemischen Mittel geschädigt werden. Die Studie zeigt, dass viele der verwendeten PSM potenziell toxisch für Wildbienen sind, obwohl die genauen Risiken je nach Bienenart und Anwendungsintensität variieren. Die Untersuchung weist darauf hin, dass Blühstreifen einerseits positive Effekte auf die Biodiversität haben, aber andererseits auch zu ökologischen Fallen führen könnten, da die Bienen verstärkt giftigen Stoffen ausgesetzt sind. Die Ergebnisse unterstreichen die Komplexität des Weinberghabitats und die Notwendigkeit, bei der Förderung von Blühstreifen auch die Risiken von Pestiziden zu berücksichtigen. |