Newsletter der Bienenfachstelle

 

Liebe Bienenfreund:innen, sehr geehrte Damen und Herren,

nach dem kurzen Wintereinbruch ist der Frühling wieder da und die Bienen trauen sich wieder raus, um fleissig Pollen für ihren Nachwuchs zu sammeln. Höchste Zeit, die nächste Ladung bienenfreundlicher Nachrichten zu überbringen...

Viel Freude bei der Lektüre!

Die Weiden-Sandbiene (Andrena vaga) ist auf den Pollen der Weiden spezialisiert. Foto: ©Christine Dobler Gross

Bienenfachstelle in eigener Sache

 

Neue Leitung der Bienenfachstelle

Wie bereits vor Jahresende angekündigt, wurde die Leitung der Bienenfachstelle für die Mandatsperiode 2024-2026 von Sebastian Hausmann-Z'graggen von der Quadra GmbH per 1. Januar 2024 übernommen. 

Sebastian beschäftigt sich seit seinem Bachelorstudium im Jahr 2010 mit Honig- und Wildbienen und hat seine Abschlussarbeiten im Bachelor (Naturschutz und Landschaftsplanung), Master (Biodiversität, Evolution und Ökologie) und Doktor (Dr. rer. nat. Biologie) über Bestäubung und Wildbienen geschrieben. Als Hobbyimker hat er von 2010 bis 2021 selbst je nach Jahr 5-10 Bienenvölker gehalten und plant es, die Imkertätigkeit demnächst wieder aufzunehmen. Sebastian ist Vorstandsmitglied beim Verein Buure für Biendli und war von 2016 bis 2020 als Kursleiter für wesensgemässe Bienenhaltung in Berlin tätig. Sebastian ist es ein besonderes Anliegen, zwischen Honigbienenzüchter:innen und Wildbienen-Artenschutz zu vermitteln und die Interessen in den beiden Bereichen miteinander in Einklang zu bringen. Neben der Leitung der Bienenfachstelle fokussiert Sebastian im Rahmen seiner Tätigkeit bei der Quadra GmbH auf die Bekämpfung von invasiven Neophyten im Kanton Zürich.

Seit der Mandatsübernahme hat sich Sebastian bereits hervorragend in die Belange der Bienenfachstelle eingearbeitet, konnte mit zahlreichen relevanten Akteuren in den Austausch treten und auch schon einige wertvolle Projekte lancieren. 

 

Fokus der Bienenfachstelle in der Mandatsperiode 2024-2026

In der aktuellen Mandatsperiode liegt der Fokus der Bienenfachstelle auf den folgenden Bereichen:

  • Umsetzung von Fördermassnahmen in den Schwerpunktgebieten für die Wildbienenförderung im Kanton Zürich in Zusammenarbeit mit Akteuren des Naturschutzes, der Verwaltung, der Landwirtschaft sowie des Forstbereichs.
  • Verbesserung von Wildbienen-Artenkenntnissen in den Schwerpunktgebieten.
  • Vermittlung von praktischem Wissen zur Wildbienenförderung mittels Kursen und Weiterbildungen.
  • Enge Zusammenarbeit mit der Imkerschaft mit dem Ziel einer Lösungsfindung im Bereich "Konkurrenz Honigbiene-Wildbiene / Honigbienen-Völkerdichte".

Selbstverständlich steht die Bienenfachstelle auch weiterhin allen Personen und Organisationen im Kanton Zürich bei Fragen und Anliegen rund um Bienen und ihrer Förderung zur Seite, leistet Öffentlichkeitsarbeit und nimmt sich allen aktuellen und bienenrelevanten Themen an. 

 

Wildbienenförderung in der Gemeinde

Nach dem grossen Erfolg im letzten Jahr bietet die Bienenfachstelle auch heuer Weiterbildungs-Rundgänge für Unterhaltsmitarbeitende in den Zürcher Gemeinden an. Die Veranstaltungen sind praktisch orientiert und vermitteln, wie sich Fördermassnahmen für Wildbienen im Siedlungsgebiet gezielt und effektiv umsetzen lassen. Rundgänge 2024:

  • Rundgang Hinwil – Montag, 27. Mai
  • Rundgang Adliswil – Dienstag, 28. Mai
  • Rundgang Illnau-Effretikon – Montag, 10. Juni 

Die Rundgänge finden jeweils von 13:15 bis 16:30 Uhr bei jedem Wetter statt und sind kostenlos. Sie werden von Sebastian Hausmann-Z'graggen und den Verantwortlichen der jeweiligen Gemeinden geleitet. Anmeldung unter: info@bienenfachstelle-zh.ch

 

Grundkurs Wildbienenförderung

Der in Zusammenarbeit mit BirdLife Zürich entwickelte Grundkurs Wildbienenförderung wird auch in diesem Jahr angeboten. Der Kurs besteht aus 7 Modulen, welche auch einzeln gebucht werden können. Wer den ganzen Kurs besuchen möchte, sollte sich beeilen – die erste Veranstaltung findet bereits am 4. Mai statt und es hat nur noch wenige freie Plätze.

Aktuelles

 

Wildbienenförderung im Frühling

Der Frühling und mit ihm auch die Bienensaison haben in diesem Jahr einen besonders frühen Start hingelegt. Wer – angesichts der jüngeren Schneefälle zurecht – noch nicht ganz an den endgültigen Abschied des Winters geglaubt und den Griff zu Schaufel, Spaten und Blumentöpfen aufgeschoben hat, der findet nun hier zahlreiche Tipps, um Garten und Balkon wildbienenfreundlich aufzuwerten.

 

Digitale Helfer

Wildbienenförderung und -beobachtung in diesem Jahr wie ein Profi angehen? Mit diesen kostenlosen Apps (fast) kein Problem!

  • Mit der Webapp Bee-Finder findet man heraus, mit welchen Massnahmen sich lokale, bedrohte Wildbienenarten fördern lassen. 
  • Die App Wildbienen Id BienABest hilft dabei, häufige Wildbienenarten zu bestimmen. 

Bienenförderung in der Landwirtschaft

 

Im letzten Jahr wurde von der Bienenfachstelle und dem Zürcher Bauernverband die Initiative "Buure für Biendli" lanciert. In einem Pilot mit 12 Betrieben soll gemeinsam mit den Teilnehmenden und in Zusammenarbeit mit der ZHAW herausgefunden werden, was es braucht, um die Wildbienenförderung in der Zürcher Landwirtschaft erfolgreich zu intensivieren. Das Pilotprojekt läuft noch bis 2025 und soll danach in ein reguläres Angebot überführt werden. Es konnten bereits viele spannende Erkenntnisse gewonnen werden und einige davon wollen wir hier teilen:

 

Einzelinterviews und erster Workshop mit Pilotteilnehmenden

Nach den ersten einzelbetrieblichen Beratungen wurden in Zusammenarbeit mit der ZHAW Einzelinterviews und ein Workshop mit den 12 teilnehmenden Betrieben durchgeführt. Die wichtigsten Erkenntnisse sind:

  • Intrinsische Motivation einen Beitrag zur Biodiversität zu leisten, ist der Hauptgrund, sich auf dem eigenen Betrieb für die Wildbienenförderung zu engagieren. Finanzielle Entschädigung wird zwar als sinnvoll erachtet – vor allem bei grösseren, aufwändigen Massnahmen – ist jedoch kein entscheidender Faktor.
  • Es wird geschätzt, wenn die Beratung vor Ort stattfindet, kurz & bündig gehalten wird und die Wildbienenförderung auf freiwilliger Basis beruht – eine "Pflicht" wird gar als kontraproduktiv empfunden.
  • Es wird als wichtig erachtet, dass die Massnahmen zum Standort und Betrieb passen, zur Vernetzung beitragen, keine Konflikte mit bestehenden Verträgen verursachen und Rückmeldungen zu bereits erfolgten Umsetzungen gegeben werden (was wurde gut gemacht / wo gibt es noch Potenzial).
  • Die Teilnehmenden äusserten ein klares Bedürfnis, dem tendenziell negativen Bild, dass die Gesellschaft von der Landwirtschaft zu haben scheint, entgegenzuwirken. Mittels Öffentlichkeitsarbeit (z.B. Informationstafeln, Medienarbeit oder Anlässen) sollen engagierte Bewirtschaftende dabei unterstützt werden, ihren Einsatz für die Biodiversität für die Bevölkerung sichtbar zu machen. 
  • Ein weiteres grosses Anliegen besteht darin, die Wirkung der umgesetzten Massnahmen zu überprüfen. Mit Monitorings durch Fachleute oder Anleitungen zur selbständigen Evaluierung soll festgestellt werden können, ob sich das Umgesetzte tatsächlich positiv auf die lokale Wildbienenfauna auswirkt. 

 

Online-Umfrage  

Um ein etwas breiteres Bild zu erhalten, wurde auch eine Online-Umfrage bei nicht am Pilot teilnehmenden Betrieben durchgeführt. An dieser Umfrage haben insgesamt 315 Bewirtschaftende aus dem Kanton Zürich teilgenommen. 

  • 37% beurteilen die Situation der Wildbienen in ihrer Region als sehr oder eher kritisch, wobei 43% diese als (eher) unkritisch erachten. 20% der Teilnehmenden wollte/konnte keine Einschätzung abgeben.
  • Gleichzeitig fanden über 87% der Teilnehmenden, dass es wichtig oder sehr wichtig ist, dass sich landwirtschaftliche Betriebe für die Wildbienenförderung einsetzen.
  • Die meisten Teilnehmenden haben schon etwas für Wildbienen umgesetzt. Lediglich bei 12% war das nicht der Fall.
  • Rund 80% der Teilnehmenden wären bereit, sich (noch mehr) für Wildbienen zu engagieren und zwei Drittel wären grundsätzlich an einer Beratung interessiert.
  • Eine überwiegende Mehrheit findet es wichtig, dass die Beratung kostenlos ist, persönlich vor Ort stattfinden und von einer Person mit landwirtschaftlichem Hintergrund durchgeführt wird. 
  • Als wichtige Faktoren für ein Engagement von Bewirtschaftenden für Wildbienen wurden genannt: persönliche Motivation, ein erkennbarer Nutzen für Biodiversität und eigenen Betrieb, eine angemessene Entschädigung und Anerkennung sowie eine fachliche und praktische Unterstützung. 
     

Für die Bienenförderung ist es nie zu früh

 

Eine Studie aus Deutschland hat ergeben, dass Schüler:innen über ein unzureichendes Wissen zu Wildbienen verfügen. Eine entsprechende Untersuchung aus der Schweiz ist uns zwar nicht bekannt, wir haben aber einige Tipps parat, wie man Kinder und Jugendliche für die spannende Welt der Wildbienen begeistern könnte:

  • Die App BeeLife wurde an der Universität Stuttgart entwickelt und soll Lehrpersonen der 4.-6. Klassen dabei helfen, das Thema Wildbienen zeitgemäss in den Schulunterricht einzubringen.
  • Dieser zwar kurze aber tolle Film eignet sich auch hervorragend, um bei Kindern das Interesse für die wichtigen Bestäuber zu wecken.
  • Zahlreiche weitere Tipps finden sich in unserem Infopool-Artikel Wildbienenförderung mit Kindern und Jugendlichen

Bienen auf der politischen Agenda

 

Motion (Bund) – Sicherung der Insektenbestäubung insbesondere durch Wild- und Honigbienen

Der Ständerat hat die Motion am 19.12.23 angenommen.

 

Motion (Bund) – Die neue Massnahme von 3,5 Prozent Biodiversitätsförderflächen auf offener Ackerfläche wieder aufheben

Der Nationalrat hat die Motion am 28.02.24 angenommen.

 

Motion (Bund) – Sinnvolle Umsetzung der zusätzlichen 3,5 Prozent Biodiversitätsförderung auf Ackerflächen

Der Nationalrat hat die Motion am 12.03.24 angenommen.

 

Motion (Bund) – Umfassende Statistiken zur Bienenzucht, um die Bienen besser zu schützen

Der Nationalrat hat die Motion am 12.03.24 abgelehnt.

 

Parlamentarische Anfrage (Kanton Zürich) – Wildbienenschutz

Der Regierungsrat hat den entsprechenden Regierungsratsbeschluss am 14.03.24 publiziert.

 

Postulat (Stadt Zürich) – Einberufung einer Fokusgruppe "Stadtbienen" im Rahmen der Biodiversitätsstrategie

Der Gemeinderat hat das Postulat am 17.01.24 überwiesen.

Empfehlenswerte Publikationen 

 

Fortlaufende konvergente Evolution eines Selbstbefruchtungssyndrom bedroht Bestäuber-Pflanzen-Interaktionen

Die Interaktion zwischen Pflanzen und Bestäubern, die schon früh bei den Blütenpflanzen begann, wird durch Umweltveränderungen bedroht, da weniger Bestäuber zur Verfügung stehen.

In dieser Studie wurden Populationen des Ackerstiefmütterchens (Viola arvensis) aus der Region Paris untersucht, wo es nur wenige Bestäuber gibt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich diese Pflanzen zunehmend selbst befruchten und Merkmale entwickeln, die sie für Bestäuber weniger attraktiv machen, wie kleinere, unauffällige Blüten und weniger Nektar.

Diese Anpassungen können den Rückgang der Bestäuber weiter beschleunigen, was tiefgreifende Auswirkungen auf unsere Ökosysteme haben könnte.

 

Luftverschmutzung: eine Bedrohung für die Bestäubung durch Insekten

Viele Pflanzen sind für ihre Fortpflanzung auf Insekten angewiesen, doch diese Bestäuber leiden unter menschlichen Einflüssen wie Klimawandel, Lebensraumverlust und erhöhtem Pestizideinsatz. Neuere Studien zeigen, dass auch Luftverschmutzung die Bestäubung bedroht, indem sie zum Beispiel die Anziehungskraft von Blüten auf Bestäuber vermindert. In dieser Publikation wird diskutiert, wie diese Veränderungen die Fortpflanzung der Pflanzen und die Gesundheit der Bestäuber beeinträchtigen könnten.

 

Nisthilfen für Wildbienen – Artenschutz oder Gewissensberuhigung?

In diesem Artikel werden Nisthilfen, die oft als „Wildbienenhotels“ bezeichnet werden, kritisch untersucht. Die Autor:innen stellen fest, dass viele kommerziell erhältliche Nisthilfen ungeeignete Materialien wie Tannenzapfen oder Ziegel enthalten. Ihre Untersuchungen in den deutschsprachigen Ländern Europas zeigen, dass 50 Bienenarten künstliche Strukturen wie Bambusrohre, gebohrtes Hartholz und Wände aus Löss oder Sand-Lehm-Gemischen zum Nisten nutzen. Von den dokumentierten Arten sind 34% selten oder bedroht. Die Autor:innen betonen, dass Nisthilfen vor allem dazu dienen, das Umweltbewusstsein zu steigern und die Überwachung der Bienen zu erleichtern. Zudem bieten sie Empfehlungen für den Bau effektiver Nisthilfen und alternative Methoden für bodennistende Arten, die den Großteil der Wildbienenarten ausmachen.

 

Verständnis und Behebung von Defiziten in europäischen Wildbienendaten

Das Verständnis und die Umkehrung des Biodiversitätsrückgangs im Anthropozän erfordern robuste Daten zu Arten, ihrer Verbreitung, Ökologie und Populationsentwicklung. Trotz Fortschritten ist das Wissen über die Diversität und Verbreitung von Bienen in Europa durch Datenmängel begrenzt. In dieser Studie wurde ein digitaler Datensatz zu Wildbienen genutzt und sieben wesentliche Informationslücken identifiziert, darunter geografische Verbreitung, Merkmalsvariationen und Populationsdynamiken. "BeeFall", ein interaktives Online-Tool, visualisiert diese Lücken.

 

Blumenreiche Lebensräume und Wildbienen im Siedlungsgebiet

Es gibt eine Neuauflage der grossartigen und wohl vielen bereits bekannten Broschüre von BirdLife.

Kurse und Veranstaltungen

 

Zu unserer grossen Freude ist in diesem Jahr hinsichtlich bienenfreundlicher Kurse und Veranstaltungen ordentlich viel los. Deshalb verzichten wir diesmal auf die Auflistung einzelner Angebote und verweisen gerne auf unseren Infopool:

 

Bieten auch Sie Events mit Bezug zur Bienenförderung an? Lassen Sie es uns gerne wissen, damit wir auch Ihr Angebot weiterempfehlen können!

Mit bienenfreundlichen Grüssen,

Sebastian Hausmann-Z'graggen und Kiki Anrika Velychko

 

Foto: © Christine Dobler Gross

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